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Körper & Psyche

Dieter Jeromin: Das Atmen mit der Nase

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 3 Min. Lesezeit
Dieter Jeromin: Das Atmen mit der Nase

Wozu braucht man eine Nase, wenn man doch auch durch den Mund atmen kann? 

 

Diese Frage mögen sich manche stellen. Eine Online-Studie "About Last Night" im Jahr 2015 ergab in den USA, dass von den 1001 Teilnehmern, 61 % nachts mit dem Mund atmeten. Eine andere Untersuchung berichtet, dass bis zu 50 % der Bevölkerung dazu neigt, auch am Tag mit dem Mund statt durch die Nase zu atmen.

 

Die Vorteile der Nasenatmung sind indessen nicht schwer zu erkennen. Sie filtert und reinigt die Atemluft von manchen Krankheitserregern, erwärmt sie und befeuchtet sie. Des Weiteren bewirkt sie wohl auch über Botenstoffe eine Senkung des Blutdrucks und eine Beruhigung des Pulses.

 

Die am meisten genannten Gründe für eine Mundatmung sind eine verstopfte Nase durch Erkältung, Sinusitis, Infektionen und Allergien. Daneben wird auch die störende Größe und Form der Kieferknochen, der Nase selbst, der Rachenmandeln, sowie Nasenscheidewandverkrümmungen, Polypen und eine Fehlstellung der Zähne als mögliche Ursachen angeführt.

 

Die anhaltende Unterbrechung (Obstruktion) der Nasenatmung hat jedoch weitreichende Folgen, die bereits 1981 von Egil Peter Harvold (1912–1992) in einer experimentellen Studie mit Affen untersucht wurde. Er unterbrach mit Silicon die Nasenatmung bei den Versuchstieren und sie entwickelten alle mit der Zeit einen Gesichtsausdruck und Zahnschluss, der sich eindeutig von dem der unbehandelten Kontrolltiere unterschied.

 

Es ist schon erstaunlich, dass wir beim Menschen diese ungewöhnliche Häufigkeit der Mundatmung sowie auch deren Komplikationen wie Schnarchen und nächtliche Atemstörungen (Schlafapnoe-Syndrom) finden.

 

Eine mögliche Erklärung können wir in der Entwicklungsgeschichte finden. Bei der Weiterentwicklung vom homo habilis und dann homo erectus zum heutigen homo sapiens hat das Gehirn viel an Masse zugenommen und der Kehlkopf hat sich zum Brustbereich hin gesenkt. Dies führte zu beachtlichen funktionellen Fortschritten und hat sicher auch die Entwicklung der menschlichen Sprache erleichtert. Es hatte aber auch eine Einengung der Nebenhöhlen und der Atemwege auf immer engerem Raum zu Folge. Der nun tiefer liegende Kehlkopf wurde anfälliger für Würgeerscheinungen.

Ein weiteres Phänomen, das in jüngerer Zeit hinzugekommen ist, ist die Lebensmittelaufbereitung. Unsere Speisen werden nicht mehr roh verzehrt, sondern gekocht serviert und bedürfen seit dem 18. Jahrhundert immer weniger Anstrengung beim Kauen. Die hierfür erforderlichen Muskeln und Knochen werden daher seither nicht mehr in der zuvor üblichen Form aufgebaut und ausgebildet. Dies entspricht den Beobachtungen, die George Catlin (1796 – 1872) in den 1830er Jahren gemacht hat, als er über 50 verschiedene Eingeborenengemeinschaften in Nordamerika besucht und untersucht hat. Er konnte damals feststellen, dass sie alle “perfectly straight teeth” (vollkommen gerade Zähne) und eine gut ausgebildete Kieferstruktur hatten. Sie haben nicht durch den Mund geatmet. Bei einem heutigen Besuch der Nachkommen dieser Stämme (die jetzt zum Teil noch in Reservaten leben, sich aber der üblichen Ernährungsweise in den Vereinigten Staaten angepasst haben) finden wir keinen Unterschied mehr gegenüber dem Rest der amerikanischen Bevölkerung.

 

George Catlin hat daraufhin bereits in seinem 1923 veröffentlichtem Buch “The Breath of Life Or Mal-Respiration: And Its Effects Upon the Enjoyments & Life of Man” seine Zeitgenossen aufgefordert: “SHUT YOUR MOUTH,” das heißt, den Mund (beim Atmen) geschlossen zu halten.


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Fragen an unser Redaktionsmitglied Dieter Jeromin über die

Redaktion an: [email protected]

 

 

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