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Dieter Jeromin: Ein kurzer Blick in unseren Körper für Nichtmediziner

Die erste Frage, die wir uns oft stellen, wenn wir auf etwas unbekanntes stoßen, lautet:  “Aus welchen Bestandteilen ist es aufgebaut?”

Bei unserem menschlichen Körper könnte uns ein Chemiker erklären, dass es 59 verschiedene Elemente sind, wovon Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff, Stickstoff sowie Calcium und Phosphor die sechs wichtigsten sind. Der komplette Bauplan, samt Betriebsanleitung, findet sich im Kern jeder einzelnen Zelle auf äußerst dünnen Schnüren, die aus zweisträngigen Ketten von vier verschiedenen Aminosäuren gebildet werden. Und ebenso wie jede ordentliche Schnur die wir kennen, sind auch diese Stränge spiralförmig gewickelt. Würde man alle Stücke zu einer langen Schnur zusammenbinden, wäre diese etwa ein Meter lang.

Der Coronavirus Sicherheitsabstand von einem Meter wäre auch nötig, wollte man das gesamte Erbgut im Kern einer Zelle wie einen Faden in die Länge ziehen.
Der Coronavirus Sicherheitsabstand von einem Meter wäre auch nötig, wollte man das gesamte Erbgut im Kern einer Zelle wie einen Faden in die Länge ziehen.

Unser Körper besteht jedoch nicht nur aus unseren Zellen. Es tummeln sich dort auch Billionen von lebensnotwendigen Mikroben. Wir kennen um die 40.000 Arten. 900 davon befinden sich alleine in der Nasenschleimhaut, was auch die funktionale Bedeutung des Atmens durch die Nase belegt. In unserer Darmflora produzieren sie zehntausende Verdauungsenzyme, während unser Körper selbst nur magere zwanzig erzeugen kann. Die Darmmikroben sind somit für die Bereitstellung von zehn Prozent unseres gesamten Kalorienbedarfs verantwortlich. Sie leben auch dann noch in uns weiter wenn der Rest unseres Körpers bereits gestorben ist. Im Laufe eines menschlichen Lebens werden mit ihrer Hilfe 6350 Kilo Exkremente produziert, die vornehmlich aus toten Bakterien, unverdauten Ballaststoffen und abgestorbenen Zellresten bestehen.

Ein Lastzug mit einer Lagekapazität von 7 Tonnen wäre erforderlich um die gesammelten Ausscheidungen eines Menschen transportieren zu können, der selbst nur 50-120 Kilo wiegt. Dies entspricht von der Größenordnung her etwa hundert mal seinem Eigengewicht.
Ein Lastzug mit einer Lagekapazität von 7 Tonnen wäre erforderlich um die gesammelten Ausscheidungen eines Menschen transportieren zu können, der selbst nur 50-120 Kilo wiegt. Dies entspricht von der Größenordnung her etwa hundert mal seinem Eigengewicht.

Eine biologische Untersuchung hat gezeigt, dass wir auch 174 Viren in uns tragen, von denen 90 Prozent bisher unbekannt sind. Insgesamt zeigt sich, dass von den hunderttausenden bekannten Viren bislang nur 263 als schädlich für das menschliche Immunsystem gelten. Es wurden über eine Million verschiedene Mikroben entdeckt, aber lediglich 1450 davon können uns auch schaden. Derzeit gehen weltweit ein Drittel aller Todesfälle auf diese Mikroben zurück.

 

Eine beliebte Quiz-Frage zielt auf die Anzahl der Knochen in unserem Körper, aber die Antwort ist in Wirklichkeit gar nicht so eindeutig, wie man es erwarten würde. Meine beste Antwort wäre “etwa 206.” Bei der Geburt waren es ungefähr 270 von denen dann manche zusammenwachsen. Jeder achte Mensch hat zudem ein dreizehntes Paar Rippen und es kommen auch noch die Sesambeine dazu, das sind die kleinen meist in Sehnen eingelagerten Knochen, die unter anderem in den Händen für einen zusätzlichen Abstand zwischen den Knochen sorgen.

Jede Hand hat 27 Knochen und jeder Fuß 26 Knochen. Das sind zusammen bereits mehr als die Hälfte aller Knochen unseres Körpers.

Die Zähne zählen übrigens nicht zu den Knochen. Sie lagern wohl Calzium ein, aber hier hört auch die Gemeinsamkeit mit den Knochen auf. Eine oberflächliche Schicht von weißem Zahnschmelz bedeckt eine darunter liegende Dentinschicht, die eine leicht gelbliche Farbe hat.

Zählt man die Knochen im menschlichen Körper, kommt man nicht immer auf die gleiche Anzahl.
Zählt man die Knochen im menschlichen Körper, kommt man nicht immer auf die gleiche Anzahl.

Die größte Knochendichte wird übrigens unter der Einwirkung von Ostocalcin, einem Peptidhormon, das 1975 entdeckt wurde, im Alter von 21 Jahren erreicht. Es hat sich gezeigt, das die Produktion dieses kleinen Hormons (es besteht aus nur 49 Aminosäuren) durch Sport gefördert wird. Neuere Untersuchungen haben jetzt auch erwiesen, das es das Risiko für Alzheimer-Erkrankungen senkt.

 

Dies entspricht übrigens auch meiner eigenen klinischen Erfahrung: Wer im Alter körperlich aktiv bleibt und regelmäßig Sport und Gymnastik betreibt, erkrankt (in der Regel) nicht an Alzheimer.

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