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Körper & Psyche

Wochenbett-Betreuung per Video-Chat und Telefon

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 5 Min. Lesezeit
Wochenbett-Betreuung per Video-Chat und Telefon
Hebamme Katharina Maucher betreut junge Mütter persönlich über die Videosprechstunde.  Quelle: Stiftung kreuznacher diakonie/Tamara Schlaupitz
Hebamme Katharina Maucher betreut junge Mütter persönlich über die Videosprechstunde. Quelle: Stiftung kreuznacher diakonie/Tamara Schlaupitz

Wie schwierig es in Deutschland vielerorts ist, eine Hebamme zu finden, kennen viele junge Mütter aus eigener Erfahrung. So belegt auch die Studie „Mangel an Hebammen in Deutschland“, dass jede fünfte Frau keine Nachsorgehebamme in Anspruch nimmt. Der häufigste Grund ist die fehlende Verfügbarkeit im näheren Umfeld. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die Stiftung kreuznacher diakonie ein Pilotprojekt gestartet: die „TeleHebamme“.

Bei der TeleHebamme handelt es sich um ein neues Beratungsangebot der Hunsrück Klinik Simmern und des Diakonie-Krankenhauses Bad Kreuznach, beides Häuser der Stiftung kreuznacher diakonie. Es richtet sich an Mütter aus der Rhein-Hunsrück-Region sowie der Stadt und dem Kreis Bad Kreuznach, die bis zur Geburt noch keine niedergelassene Hebamme für die Wochenbettbetreuung gefunden haben. Ab sofort werden sie über eine Videosprechstunde von der examinierten Hebamme Katharina Maucher betreut. Fragen zum Wochenbett und Stillen, der Säuglingspflege und den ersten Wochen mit dem Baby können direkt, kompetent und unkompliziert geklärt werden. Dafür ist keine besondere Technik nötig: Ein Computer mit Kamera, Mikrofon und Lautsprecher beziehungsweise ein Smartphone oder Tablet mit einer stabilen Internetverbindung reichen.

 

Für die Mütter ist die Hebammenberatung während der Pilotphase kostenlos. Die wissenschaftliche Begleitung des dreijährigen Projekts übernimmt die Universität Koblenz-Landau unter Leitung von Prof. Dr. Oliver Dimbath. Zur Entwicklung des ländlichen Raums wird die TeleHebamme durch Mittel der Europäischen Union und des Landes Rheinland-Pfalz gefördert.

 

Feste Sprechstundenzeiten und in dringenden Fällen rund um die Uhr erreichbar

An fünf Tagen in der Woche kümmert sich Katharina Maucher um alle Sorgen und Nöte der jungen Mütter und steht ihnen beratend zur Seite. Montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr ist sie für alle Fragen erreichbar. Genau wie zu einer normalen Sprechstunde ist eine vorherige Terminabsprache nötig.

 

In dringenden Fällen und außerhalb der normalen Sprechstundenzeiten, an Wochenenden und Feiertagen ist die Erreichbarkeit über die Kreißsäle der beiden Krankenhäuser gewährleistet. Das gute Netzwerk aus beiden Krankenhäusern, erfahrenen Hebammen, Kinderkrankenpflegern und Ärzten der Abteilung Gynäkologie sowie der Kinder- und Jugendmedizin, ermöglicht eine umfassende Beratung.

 

Dr. med. Kay Goerke, Projektleiter und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe in der Hunsrück Klinik, auf dessen Geburtsstation im letzten Jahr 541 Babys zur Welt kamen, erklärt: „Wenn ich von meiner Sprechstunde komme, habe ich meist zwei drei Namen auf dem Block.“ Frauen in der 35. Schwangerschaftswoche, die noch keine Hebamme haben und die den Service einer TeleHebamme dringend gebrauchen könnten. Ihm ist klar, dass in der ersten Phase nach der Geburt die Hausbesuche durch eine Hebamme essenziell sind für die Gesundheit von Mutter und Kind: „Wenn das aber durch den Hebammenmangel nicht möglich ist, brauchen wir die Online-Videosprechstunde.“

 

TeleHebamme Katharina Maucher ergänzt: „Das Wochenbett ist mit körperlichen und seelischen Veränderungen verbunden. Auch Frauen, die bereits ein oder zwei Kinder haben und nicht unbedingt auf eine Nachsorgehebamme angewiesen sind, sind froh, wenn sie in dieser turbulenten Phase per Video-Chat mit mir reden können.“

 

Ländlicher Raum auf dem Hunsrück und an der Nahe profitiert

Achim Kistner, Geschäftsführer der Lokalen Aktionsgruppe Hunsrück (LAG), in dessen Zuständigkeitsbereich das Projekt fällt, sieht die TeleHebamme als sinnvolle Ergänzung, um dem Defizit der Hebammenversorgung entgegenzuwirken. „Wir wissen, dass gerade auf dem Land eine gut erreichbare, medizinische Versorgung nicht immer gegeben ist. Als Vertreter des ländlichen Raumes wollen wir Frauen in dieser Situation nicht alleine lassen. Denn schließlich halten sie die Zukunft der Region auf dem Arm.“

 

Die erste Wöchnerin konnte bereits für das Projekt gewonnen werden. Die 23-Jährige aus Kirchberg hat erst nach der Geburt ihres Kindes erfahren, dass sie einen Anspruch auf Hebammenhilfe hat. Deshalb ist sie froh, dass sie in Katharina Maucher eine kompetente TeleHebamme gefunden hat, die sie nach der Geburt zwölf Wochen lang per Video-Chat im eigenen Wohnzimmer besucht.

 

Interessierte Mütter können sich unter Telefon 06761 / 81 1321 oder unter [email protected] melden.

 

Förderung durch Mittel von Europäischer Union und Land Rheinland-Pfalz

Als neue und innovative Lösung für eine aktuelle Herausforderung wird das Projekt „TeleHebamme“ aus dem LEADER-Ansatz gefördert. LEADER steht für "Liaison Entre Actions de Développement de l'Économie Rurale" (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Es ist ein methodischer Ansatz im Rahmen des „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“ (ELER) zur Förderung der ländlichen Räume. Insgesamt stellen die Europäische Union und das Land Rheinland-Pfalz knapp 178.000 Euro als Zuschuss aus dem rheinland-pfälzischen Entwicklungsprogramm „Umweltmaßnahmen, ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ (EULLE) zur Verfügung.

 

Quelle:
Stiftung kreuznacher diakonier

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