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Dieter Jeromin: Was das Geld mit der Psyche und psychischen Störungen zu tun hat (Teil 2)

Niccolò Machiavelli rät dem Fürsten auf zwei Dinge zu achten, wenn er eine Stadt erobert hat und seinen Einfluss dort behalten will. Diese sind zum einen, dass die Frauen und Töchter der Bürger nicht belästigt werden und zum anderen, dass das Vermögen und die Besitztümer der Bürger nicht belangt werden.

Dies belegt die zentrale Rolle, die das Geld im Leben der Menschen spielt, aber eine genauere Analyse zeigt uns auch, das dieses Geld an und für sich keinen Eigenwert hat, sondern lediglich einen Marktwert, der von seinem begrenzten Vorkommen (Rarität) und dem Vertrauen (Wertschätzung), das die Bevölkerung ihm entgegenbringt, abhängig ist. In diesem Sinne ist der Wert eines jeden Zahlungsmittels (Geldes) auch dem von Aktien vergleichbar, die in ihrem Wert steigen und fallen, je nachdem ob die Händler an die damit verbundenen Werte (Fabriken oder Gesellschaften) glauben oder das Vertrauen in sie verlieren. Der Preis einer Aktie an der Börse ist nicht eine bleibende Abbildung von den realen Werten der dahinter stehenden Immobilien und geistigen Eigentümer, sondern das Ergebnis des augenblicklichen Interesses, das Börsenmakler diesen gerade entgegenbringen und somit eine Auswirkung der Vorstellungen in deren Psyche. So werden zum Beispiel die Aktien von Tesla, die nicht mehr als 300.000 Autos im Jahr verkaufen, höher eingestuft als die von BMW, die über zwei Millionen Autos in der gleichen Zeit auf den Markt bringen. Diese psychische Wertschätzung kann dann aber auch jederzeit kurzfristig umschlagen, wenn die unvorhergesehene Nachricht einer Steuerreform oder von geplanten Umweltreformen bekannt wird. Dies hat dann unter Umständen auch einen Börsencrash zur Folge, wie uns die jüngere Geschichte wiederholt gezeigt hat.

 

Verliert die Bevölkerung das Vertrauen in das geläufige Zahlungsmittel, verliert dieses Geld schnell seinen Wert und es kommt zur Inflation, wie dies in der Zeit der Weimarer Republik in Deutschland der Fall war. Dieses Phänomen ist jedoch nicht auf die von unseren Regierungen gedruckten Papiergeldscheine begrenzt. Zur Blütezeit der spanischen Eroberung von Amerika verlor das damals als Zahlungsmittel eingesetzte Gold an Wert, nachdem immer mehr von dem bei uns zuvor nur sehr selten vorkommenden Edelmetall aus Amerika eingeführt wurde. Die Marktvoraussetzung für den Wert, den man diesem Zahlungsmittel entgegengebracht hatte, seine Rarität, war plötzlich nicht mehr gegeben und unsere psychische Werteinschätzung ist dementsprechend auch schnell gefallen. Man kann sich dies gut mit einem einfachen Gedankenexperiment vergegenwärtigen:

Wir starten von unserer Erde aus in einer Raumkapsel zu einem anderen Planeten und nehmen neben unserem Reiseproviant Goldbarren mit, um dann alles Nötige einkaufen zu können, wenn wir dort angekommen sind. Wir landen aber auf einem Planeten, auf dem es genauso viel Gold wie Eisen gibt. Die Leute dort schätzen das Eisen aufgrund seiner Festigkeit und verschmähen das Gold, das wohl glitzern kann aber viel zu weich ist, als dass man etwas sinnvoll damit bauen könnte. Hier ist auf einmal das Eisen aus dem unser Raumschiff gebaut ist viel mehr Wert als die Goldbarren, die uns durch ihr nutzloses Gewicht lediglich den Flug erschwert haben. Wenn es hingegen nur wenig Wasser auf diesem Planeten gibt, können wir hier viel mehr mit den Wasserflaschen aus unserem Reiseproviant erkaufen als mit unseren schweren Goldbarren.

Dies mag auch an eine Episode der beliebten ein US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie Games of Thrones erinnern (1:06), in der Viserys nach der Krone verlangt, die ihm als geborenen König zustehe, was ihm aber schnell zum Verhängnis wird, sobald Khal Drogo ihm geschmolzenes Gold über den Kopf schüttet.

 

Wir belegen in der Darstellung der Welt, die wir in unserer Psyche erbauen, bestimmten Gegenständen und Materialien (wie hier z.B. Gold) mit Werten, die diese an und für sich und außerhalb unseres Sozialgefüges keineswegs haben.

 

Das Kriterium der Rarität bestimmt auch den Wert aller anderen wertvollen Schätze, die wir kennen. Sei dies die Erstausgabe eines berühmten Buchs, das wohl manche Druckfehler und Unzulänglichkeiten haben mag, die erst in späteren Ausgaben verbessert wurden oder die Blaue Mauritius unter den Briefmarken, die sich an und für sich nicht von anderen Briefmarken jener Zeit unterscheidet bis auf die Tatsache, dass damals nur 500 Stück von ihr gedruckt wurden und heutzutage nur noch 12 bei den Briefmarkensammlern dieser Welt vorhanden sind.

Ein weiteres Kulturgut, das dieses Kriterium erfüllt sind die Gemälde der von uns bewunderten großen Künstler. Der Wert, den wir diesen Leinwänden geben ist abhängig von der Expertenmeinung, die bestätigt, das ein Gemälde wirklich von einem der namhaften und verstorbenen Künstler stammt und nicht von Lehrlingen seiner Schule, die wohl auch gut malen konnten. Dies ist eine Garantie für die Einmaligkeit des Objekts und bestimmt somit seinen Wert, wenn auch der künstlerische Teil dieser Schöpfung an und für sich ebenso gut auf detailgetreuen Fotos und Reproduktionen wahrgenommen und bewundert werden kann wie auf dem Original, das sich aufgrund seines Altes oft bereit in einem schlechten Zustand befindet, das aber andererseits alleine diesen hohen Grad von Rarität haben kann.

 

Der Austausch von Waren und Leistungen bei denen wir das eine geben und dafür das andere erhalten, ist wohl so alt wie das Zusammenleben der Menschen. Die Einführung von Statthaltern, die nicht selbst konsumiert werden, sondern dazu dienen, für weitere Tauchaktionen bereitzustehen kann mit der Erfindung der Mathematik verglichen werden. Wir haben ein abstraktes Medium gefunden, mit denen wir jetzt Transaktionen ausführen können, ohne dabei die handgreiflichen Gegenstände, um die es dabei geht, selbst berühren zu müssen. Dies war ein großer Schritt voran für die Menschheit und eine Abstraktion, die nur aufgrund einer wesentlichen Weiterentwicklung des menschlichen Gehirns und der damit verbundenen erweiterten kognitiven Fähigkeiten möglich war. Im Laufe der Jahrhunderte unserer jüngeren Geschichte wurde zunächst die Größe und der damit verbundene Wert dieser Statthalter für Werte standardisiert, in dem Edelmetall-Münzen geprägt wurden, bei denen das aufgeprägte Siegel eines Herrschers dafür garantierte, dass diese Münzen auch wirklich mit den anderen gleich schwer und somit gleichwertig waren. Der nächste Entwicklungsschritt war die Erstellung von bedrucktem Papier, das zunächst ein Gutschein für eine bestimmte Menge Gold war, bevor es dann im Rahmen einer weiteren Abstraktion nur noch ein Wertgarant wurde, den die Regierung eines Landes seiner Bevölkerung zur Verfügung stellt. Heute gibt es deren fast ebenso viele verschiedene Sorten (Währungen) wie politische Einheiten (Länder) und man kann sie auch untereinander nach stets variablen Regeln (Tauschkurse) austauschen (d.h. hier wechseln).

Der Gebrauch von Geld erfordert einen intellektuellen Erkenntnisgrad, der erst durch die Weiterentwicklung unserer mathematischen und kognitiven Fähigkeiten möglich geworden ist. Der nächste Schritt in dieser Entwicklung stellen wohl die Kryptowährungen dar, die aber derzeit bei Weitem noch nicht von allen verstanden werden und daher auch noch keinen verbreiteten Umlauf haben. Ihre Einheiten, wie z.B. die Bitcoin, sind aufgrund von mathematischen Gegebenheiten in ihrer Anzahl begrenzt (Rarität) und daher ein ideales Zahlungsmittel für die Zukunft, aber ihr Umlauf kann erst wirklich beginnen und funktionieren, wenn die Einsicht in ihr Funktionsweise (Wertschätzung) und das damit verbundene Vertrauen in ihre Beständigkeit, die nicht beliebig kopiert und vervielfältigt werden kann, den Weg in die Psyche und Kognition der kommenden Generationen schafft.

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