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Pflege in der Pandemie: Mitarbeitende in sozialen Einrichtungen brauchen Seelsorge

Pfarrer Jörg Heidmann. Foto: Stiftung kreuznacher diakonie
Pfarrer Jörg Heidmann. Foto: Stiftung kreuznacher diakonie

Simmern / Bad Kreuznach: In den sozialen Netzwerken kursiert seit Monaten das Bild einer Pflegekraft aus Italien, die völlig erschöpft an einer Hauswand lehnt. Seit nunmehr fast einem Jahr dauert die COVID-19-Pandemie an. Für die, die in der Pflege von Kranken, Senioren und Menschen mit Behinderung arbeiten, ist der Ausnahmezustand zum Dauerzustand geworden. Die Seelsorger der Stiftung kreuznacher diakonie stehen in dieser Zeit nicht nur für Patienten und Bewohner und deren Angehörige bereit. Sie sind auch für die eigenen Mitarbeitenden da. Der Bedarf ist groß. 

 

Pfarrerin Edeltraud Lenz in rheinland-pfälzischen Einrichtungen der Stiftung kreuznacher diakonie tätig und ihr Kollege Pfarrer Jörg Heidmann im Saarland versuchen, für die Mitarbeitenden da zu sein: „COVID legt sich langsam auf unsere Seelen wie ein dunkler Schleier!“, formuliert Lenz, was sie beobachtet. „Müdigkeit, das Gefühl ausgebrannt zu sein, Aggressionen. Es ist die lange Zeit, die wir in der Pandemie feststecken.“ 

Seelsorge ist ein leises „Gewerbe“. Es lebt davon, dass der, der sie in Anspruch nimmt, darauf vertrauen kann, dass das, was er erzählt, vertraulich behandelt wird. Deshalb gehen Lenz und Heidmann nicht auf konkrete Fälle ein. „Wir bieten uns den Kolleginnen und Kollegen zum Gespräch an: Wer in einem helfenden Beruf arbeitet, hat sich bewusst dafür entschieden. Er weiß worauf er sich einlässt, und arbeitet oft mit großer Hingabe“, erklärt Pfarrerin Lenz. Neben der Sorge um die eigene Gesundheit und der, der eigenen Familie, kommt die Dauerbelastung bei der Arbeit dazu. „Auf den Intensivstationen sind die hohen Hygienebedingungen in Vollschutzkleidung das Eine, aber zu erleben, dass man trotz aufwändigster Pflege oft nicht helfen kann, ist das zweite“, erklärt Heidmann. „Ich will doch, dass die Menschen wieder gesund werden“, zitiert Lenz eine Mitarbeitende.    

   

Auch in den Senioreneinrichtungen und den Häusern für Menschen mit Behinderung sind gerade zu Zeiten von Kontaktbeschränkungen die Gespräche mit den Angehörigen besonders wichtig, aber eben auch nicht immer frei von Vorwürfen und Ängsten. Auch das bekommen Mitarbeitende zu spüren. 

 

Was raten  Lenz, Heidmann und ihre KollegInnen in Bad Kreuznach den Mitarbeitenden? Das Gespräch suchen, sich selbst etwas Gutes tun, sich eine Freude machen, ausreichend schlafen, Sport, gute Ernährung, Rituale, feste Tagesabläufe, reden, reden reden.  Beide Seelsorger sehen sich als Ansprechpartner für alle, die in den Häusern arbeiten und sich belastet fühlen. Ihre Schweigepflicht ist dabei eine wichtige Vertrauensgrundlage. 

 

So bieten Heidmann, Lenz und ihre KollegInnen in Simmern, im Saarland und in Bad Kreuznach den Mitarbeitenden ihre Hilfe an und sie wird gebraucht – immer öfter. 

 

Quelle:
Stiftung kreuznacher diakonie

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