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Ernährungsexpertin Yvonne Zindler gibt Tipps: Warum man Nüsse, Samen und Getreide einweichen soll.

 In der Rohkostbewegung wird immer davon gesprochen, dass man Nüsse, Samen und Getreide vor dem Verzehr einweichen sollte. Dabei ist das aufwendig und wenn man schnell etwas zu essen vorberieten will, dann hat man nicht immer vorher eingeweichte Nüsse oder Samen zur Hand. Oder wenn man unterwegs Studentenfutter snacken will, dann denkt man nicht daran, vorher die Nüsse einzuweichen. Aber ist das jetzt schlimm, wenn man nicht die ganze Prozedur mit dem Einweichen macht? Das will ich dir hier erklären. Außerdem habe ich für dich noch eine Übersicht erstellt, wo man die Einweichzeiten im Überblick hat. Denn nicht jede Nuss will gleich lange im Wasser liegen 

 

Vorneweg sei gesagt, dass das Einweichen von Nüssen, Samen und Getreide dann Sinn macht, wenn man diese Lebensmittel öfter isst. Und wenn man Rohköstler ist so wie ich, dann ist das Einweichen wichtig. Wenn man jedoch nur ab und zu bzw. selten Cashews, Macadamia, Sonnenblumenkerne, Weizen & Co. verspeist, dann kann man das Einweichen vernachlässigen. Denn der Stoff, den man durch das Einweichen eliminiert, hat nicht nur schlechte Eigenschaften. Daher sind bei wenigem Konsum die negativen Eigenschaften marginal, jedoch nicht, wenn man öfter Nüsse, Samen oder Getreide isst.

Und schon Paracelsus sagte: “alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht es, dass ein Ding kein Gift sei.”

 

So und was ist das nun für ein Stoff, das nicht so gesund sein soll? – Das ist die Phytinsäure.

Hülsenfrüchte, Getreide und Ölsaaten brauchen diese Phytinsäure, da sie sonst nicht das für ihr Wachstum benötigte Phosphat speichern könnten. Ohne Phosphat könnte dann der Keimling nicht sprießen und zu einer Pflanze heranwachsen. Im menschlichen Organismus bindet Phytinsäure die lebenswichtigen Mineralien wie Magnesium, Calcium, Eisen und Zink unlöslich. Das bedeutet, dass die Mineralien nicht mehr vom Körper aufgenommen und verwertet können, sondern ausgeschieden werden. Mittel- und langfristig bedeutet das ein Mineralienmangel für den Körper. Zudem blockiert die Phytinsäure die Verdauungsenzyme, die wir zur Verdauung von Eiweiß benötigen.

 

Oben habe ich geschrieben, dass Phytinsäure nicht nur negative Eigenschaften besitzt. So hat die Phytinsäure eine antioxidative Wirkung, was vor Krebs schützen kann. Außerdem verzögert sie die Verdauung von Stärke was eine regulierende Wirkung auf den Blutzuckerspiegel hat. Und dann verhindert Phytinsäure einen Eisenüberschuss im Körper, was jedoch vernachlässigt werden kann, da die meisten eher einen Eisenmangel vorweisen.

 

Wiederkäuer sind übrigens die einzigen Lebewesen, die die Phytinsäure verwerten können. Und da wir keine Wiederkäuer sind, ist es ratsam,  möglichst wenig Phytinsäure zu uns zu nehmen.

 

Und wie bekommt man nun die Phytinsäure aus der Walnuss? – Indem man einweicht! Aus oben genannten Gründen sollte man alle Nüsse, Samen und Getreide vor dem Verzehr einweichen. Einfach in ein Gefäß geben (keine Schalen/ Schüsseln aus Metall verwenden) und Wasser dazugeben. Durch das Einweichen wird die Phytinsäure neutralisiert. Das Einweichwasser bitte wegschütten und die Nüsse, Samen bzw. Getreide unter fließendem Wasser spülen.

 

Tipp: Man kann entweder immer im Voraus die jeweilige Menge einweichen, die man für seine Mahlzeiten braucht. Oder man weicht in größeren Mengen ein. So mache ich es mit den Nüssen. Sobald ich welche eingekauft habe, weiche ich sie je nach Einweichzeit ein und trockne sie dann. So habe ich sie immer direkt zur Verfügung, wenn ich ein Essen vorbereite und muss mir keine Gedanken machen. Außerdem habe ich immer Nüsse, die natürlich vorher eingeweicht wurden, in meiner Tasche für unterwegs, wenn ich mal Hunger bekommen sollte.

 

Warum jetzt noch Getreide einweichen? Getreidekörner isst man ja nicht roh!

Viele Getreidesorten enthalten Gluten, also einen Kleber, der im Wahrsten Sinne des Wortes unsere Gedärme zu kleistert. Durch Einweichen und anschließendes Keimen des Kornes werden alle Inhaltsstoffe durch den Enzymprozess gewandelt. Das Gras eines gekeimten und gesprossenen Getreidekorn enthält übrigens kein Gluten. Vitamine und Hormone vermehren sich nicht nur, sie bilden sich auch neu. Komplexe organische Verbindungen werden in eine leichte für den Menschen aufnehmbare Form umgewandelt. Durch den Enzymprozess steigt z.B. der Vitamin C Gehalt beim Weizen um 600%!

Yvonne Zindler / www.rohkostlady.de

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