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Exklusiv: Interview zu Corona mit Landrätin Bettina Dickes (Kreisverwaltung Bad Kreuznach)

Landrätin Bettina Dickes (Kreisverwaltung Bad Kreuznach). Foto: Kreisverwaltung Bad Kreuznach
Landrätin Bettina Dickes (Kreisverwaltung Bad Kreuznach). Foto: Kreisverwaltung Bad Kreuznach

Das Gespräch führte Joachim Kübler

Ab welcher Infektionszahl pro 100.000 Einwohner kann unser Gesundheitsamt die Infektionen nicht mehr nachverfolgen?

Diese Frage ist so nicht zu beantworten. Eine Nachverfolgung ist theoretisch immer möglich, einzig die Anzahl der Personen -solange personelles Kapazitäten ausgebaut werden können - und der Faktor Zeit ändert sich je nach Intensität.

Der Umfang der Kontaktverfolgung hängt maßgeblich von der Anzahl der Kontaktpersonen pro Indexfall ab. Gerade bei Schülern und Lehrern ergaben sich zum Teil Kontaktpersonen im dreistelligen Bereich. Dies erfordert eine sehr hohe personelle Ressource. Demgegenüber stehen Indexfälle die vielleicht aufgrund einer vorangegangenen Quarantäne als Kontaktperson über nur eine sehr geringe Anzahl von Kontaktpersonen verfügt. Somit ergibt sich kein pauschaler Zusammenhang zwischen der Infektionsanzahl und der Anzahl an Kontaktpersonen.

Zur Entlastung des Gesundheitsamtes wurde bereits eine Stabstelle Corona gebildet. Diese übernimmt bereits seit einigen Wochen unter anderem die Kontaktnachverfolgung nach dem Eingang einer Positivmeldung, während das Gesundheitsamt die infizierten Personen selbst aus medizinischer Sicht betreut.


Die Schulbusse sind weiter viel zu voll und damit ein echtes Risiko - wie will man das ändern?

Die Kreisverwaltung hat zur Entzerrung dieses (auch unabhängig von Corona bestehenden) Problems bisher alleine vormittags 24 Zusatzlinien eingerichtet. Die eingesetzten Zusatzbusse sorgen dafür, zumindest die vollsten Schulbusse zu entlasten. Nach unserem Willen würden – obwohl der Landkreis für einen Teil der Busse die Kosten eigenständig tragen muss – weitere Zusatzlinien eingerichtet werden. Jedoch sind die tatsächlichen Kapazitäten begrenzt, es fehlt an weiteren Bussen und Fahrern. Eine Lösung, wonach alle Schülerinnen und Schüler einen Sitzplatz haben werden, ist daher derzeit nicht realisierbar.

 

Welche Konzepte sind für die Schulen geplant, wenn dort die Infektionen zunehmen - Mund-Nasen-Schutz auch in Klassenräumen? Luftfilter? Homeschooling?

Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im Unterricht ist sicher eine mögliche Maßnahme die umgesetzt werden könnte, sofern sich die Infektionszahlen im Landkreis weiter stark ausbreiten. Jedoch ist dies sicher ein Ultima-Ratio.

Die vergangenen Wochen haben auch im Landkreis Bad Kreuznach gezeigt, dass Schulen bisher nicht als Infektionsherde auszumachen waren. In aller Regel lagen vereinzelte Infektionen bei Schülerinnen, Schülern oder dem Lehrpersonal vor. Eine großflächige Ausbreitung des Virus blieb bisher an den Schulen stets aus. In der Regel wurde dieses nur im familiären oder privaten Umfeld an andere Schüler übertragen (Geschwisterkinder oder private Feiern).

Die Schulen im Landkreis Bad Kreuznach haben die Hygienekonzepte des Landes sehr gut umgesetzt. Die ausreichende Belüftung wird unserer Einschätzung nach auch in den kommenden Monaten das erste Mittel der Wahl darstellen müssen, um eine erhöhte Aerosolkonzentration in Klassenräumen zu vermeiden. Der Einbau von Filtergeräten ist allein aus Verfügbarkeitsgründen kurzfristig gar nicht realisierbar.

Ob es zu verstärktem Homeschooling oder einer Trennung von Klassenverbänden kommt, liegt in erster Linie in der Hand des Landes.

 

Schüler und Schülerinnen haben Eltern und Großeltern - wie will man Angehörige mit Vorerkrankungen und Menschen 60+ schützen,  wenn diese mit den Schülern in einem Haushalt wohnen?

Hier ist die Familie gefragt, eine geeignete Regelung zu finden, um gefährdete Menschen aus dem familiären Umfeld wo nötig zu schützen. Ganz wichtig sind auch hier gute Hygiene und Belüftungsmaßnahmen im eigenen Haushalt. Darüber hinaus empfiehlt es sich generell, möglichst durch das Einhalten der AHA-Regeln die Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren, zu minimieren – völlig unabhängig davon, ob Risikopersonen im Haushalt leben oder nicht.

 

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