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Katja Schwalm: Wechselwirkung von Arzneimitteln und Nahrungsmitteln - wie verträgt sich das?

Arzneimittel können einen Einfluss auf die Nahrungsaufnahme und die Nährstoffverwertung haben.

Katja Schwalm
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Bekannt ist, dass sie sowohl den Appetit steigern können, zu Geschmacksveränderungen führen, als auch Appetit mindernd wirken können. Dies kann den Ernährungszustand maßgeblich beeinflussen und sollte immer Beachtung finden.

 

Es gibt aber auch Effekte von Lebensmitteln auf Arzneimittelwirkung. Hier spielt insbesondere der Einnahmezeitpunkt eine Rolle.

 

 

Um die Schleimhaut der Speiseröhre zu schützen und den schnellen Transport zu sichern, sollten Medikamente mit reichlich Wasser eingenommen werden. Für die optimale Wirkung ist ebenso der Füllzustand des Magens wichtig.

Man unterscheidet:

 

Kein Food Effekt: Das Ausmaß der Aufnahme bleibt konstant. Die Einnahme des Arzneimittels kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

 

Positiver Food Effekt: Die Mahlzeit kann die Aufnahme verbessern, hier ist es sinnvoll das Arzneimittel mit der Nahrung aufzunehmen.

 

Negativer Food Effekt: Die Mahlzeit verschlechtert die Aufnahme und Wirkung des Arzneimittels und sollte nüchtern eingenommen werden.

Zusätzlich kann es im Zusammenspiel mit der Nahrung zu einer verminderten Arzneiwirkung als auch zu einer verstärkten Wirkung kommen. Besonders therapiegefährdende Lebensmittel sind Grapefruit, Milchprodukte, Alkohol, tyraminhaltige Speisen, Goji Beeren und koffeinhaltige Getränke.

 

Während es bei koffeinhaltigen Getränken, wie Kaffee und schwarzen Tee ausreichend ist, die Einnahme zeitlich um mindestens eine Stunde von der Einnahme der Medikamente und dem Trinken dieser zu versetzen, sollten Grapefruit und Goji-Beeren, bei einigen Medikamenten nicht mehr in dem Speiseplan integriert sein.

 

Jahrelang wurde Patienten die Blutverdünner wie Marcumar einnahmen, eine Marcumar Diät empfohlen, bei der auf Vitamin K reiche Lebensmittel wie grünen Blattsalaten und Kohlsorten verzichtet werden sollte. Auch wenn dies noch häufig in den Beipackzetteln zu finden ist, ist diese Empfehlung ernährungsmedizinisch längst überholt. Es wird empfohlen gerade Gemüse regelmäßig und in ausreichender Menge zu essen und den sogenannte INR-Wert regelmäßig zu kontrollieren. Weniger bekannt ist aber, dass besonders Menschen die Vitamin K- Antagonisten verordnet bekommen haben, wegen ihrer verstärkten Wirkung auf die Blutverdünnung, auf Goji Beeren, welche auch als Superfood bekannt sind, zu verzichten müssen.

Ebenso sollte während der Therapie mit vielen Medikamenten wie Blutfettsenker, einigen Blutdrucksenkern, Antidepressiva und vielen anderen der Verzehr von Grapefruit und Pomelo eingestellt werden.

 

Bei der Einnahme von Antibiotika ist zu beachten, dass Milchprodukte zwei Stunden nach und vier Stunden vor der Einnahme nicht verzehrt werden. Dies gilt aber nicht nur für Milchprodukte, sondern auch für andere mit Calcium angereicherte Lebensmittel, wie Pflanzenmilch, aber auch für sehr calciumreiche Mineralwässer.

Bei der Einnahme von Levodopa, einem Medikament das bei der Therapie von Parkinson, verordnet wird, ist auf jeden Fall zu beachten, dies keinesfalls mit Milchprodukten und anderen eiweißreichen Lebensmitteln aufzunehmen. Da eine eiweißreiche Ernährung aber für den Erhalt der Muskelmasse bei Parkinson Erkrankten sehr wichtig ist, sollte die Nahrung tagsüber eher geringer mit Eiweiß und abends eiweißreich gestaltet werden.

Welche Medikamente nehmen sie ein und welche Wechselwirkung mit Lebensmitteln sind hier bekannt?

Ärzte und Ernährungsfachkräfte sollten ihren Patienten individuelle und konkrete, sowie praxisrelevante Handlungsempfehlungen zur Einnahme ihrer Arzneimittel im Hinblick auf ihren Lebensmittelverzehr und die Mahlzeitengestaltung geben.

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