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Corona

Corona fordert ehrenamtlich Engagierte - mehr Einsatz am Telefon, per Mail und Chat bei der TelefonSeelsorge

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 5 Min. Lesezeit

Zum Internationalen Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember würdigt die TelefonSeelsorge die Arbeit ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie waren und sind in diesem Jahr durch die Pandemie zusätzlich gefordert. In vielen Dienststellen wurden während des Lockdowns im Frühjahr Doppelschichten gefahren. So sollte dem gewachsenen Bedarf Rechnung getragen werden. Dennoch brauchten viele Anrufende eine Menge Geduld, bis sie das ersehnte offene Ohr am Telefon erreicht hatten.

 

 „Ehrenamtlich an einem Krisentelefon zu sitzen, ist immer eine anspruchsvolle Aufgabe. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit allem konfrontiert, was Menschen in Krisen stürzen kann. Das reicht von einem Krach unter Nachbarn über den verlorenen Arbeitsplatz bis zum Tod eines geliebten Menschen. Und die Befindlichkeiten reichen von Überforderung über Wut und Frustration bis hin zu Trauer, handfesten depressiven Gefühlen und schlimmstenfalls zu Suizidalität.“ So schildert Michael Hillenkamp die Arbeit der Ehrenamtlichen. Er ist katholischer Pastoraltheologe und gemeinsam mit Pfarrerin Dorothee Herfurth-Rogge Vorsitzender der Evangelisch-Katholischen Kommission, des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge in Deutschland.

 

Steigerung der Anrufzahlen im Lockdown

 

Während des ersten Lockdowns stieg die Anruffrequenz deutlich an – und die Ehrenamtlichen stiegen in zusätzliche Dienste ein. „Es wurde schnell klar, dass unsere Telefone auch mit Doppelbesetzung der Schichten nicht stillstehen würden“, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Bettina Wagner (Name geändert), die seit rund 20 Jahren in einer deutschen Großstadt am Krisentelefon sitzt. „Deshalb haben diejenigen, die Zeitfenster ermöglichen konnten, zusätzliche Dienste gemacht. Zum Teil kam uns dabei die Kurzarbeit zugute, die etliche Betriebe angemeldet hatten. So hatten einige Kollegen mehr Freizeit und haben sich zur Verfügung gestellt.“  Gab es vor der Pandemie im Durchschnitt täglich 2.500 Telefonate, so stiegen die Gespräche im März und April auf über 3.000 pro Tag an. Zu bestimmten Tageszeiten war das Gesprächsaufkommen fast 50 Prozent höher als vor der Pandemie. Mit dem Ende des ersten Lockdowns normalisierte sich das Anrufaufkommen, blieb aber insgesamt höher als im Vorjahr, im September waren es durchschnittlich 2.700 Gespräche pro Tag. Seit Beginn des zweiten Lockdowns im November steigt die Zahl der Anrufe und Chats wieder an. 

 

Die Pandemie verunsichert nach wie vor viele Menschen. Da sind diejenigen, die vor existenziellen Problemen stehen: gibt es die Firma noch, wenn die Pandemie zu Ende ist? Wie gestalten sich die familiären Beziehungen, wenn plötzlich alle zu Hause sind? Aber auch: wie werde ich damit fertig, dass die mir liebsten Menschen nicht mehr zu mir kommen (dürfen)? Besonders schwer ist die Situation häufig für die sowieso seelisch Angeschlagenen: wer unter Depressionen oder Ängsten leidet, erlebt die Pandemie als Problemverstärker in bereits schwierigen Lebenslagen. Unter den angesprochenen Themen ist die Einsamkeit mit rund 23 Prozent die häufigste Nennung durch die Anrufenden.

 

Gut ausgebildet ans Telefon

 

„Unsere Ehrenamtlichen werden sehr sorgfältig und umfassend auf den Dienst vorbereitet und haben gelernt, mit den Problemen umzugehen, mit denen sie am Telefon – und übrigens seit 25 Jahren auch per Mail oder Chat – konfrontiert werden“, erläutert Michael Hillenkamp. „Uns Hauptamtlichen ist bewusst, dass sie eine manchmal extrem schwere Aufgabe kompetent und souverän meistern. Deshalb bemühen wir uns, ihnen nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in ihrer gesamten aktiven Zeit mit Supervisionen, Fortbildungen und bei Bedarf auch individueller Beratung einen Rahmen zu schaffen, der sie diese Aufgabe nicht nur schultern lässt, sondern ihnen auch die Möglichkeit zu persönlicher Entwicklung bietet. Denn nur, wenn der großen Bereitschaft, sich für unsere Mitmenschen einzusetzen, eine entsprechende Wertschätzung erwiesen wird, ist eine gute seelische Balance möglich. Und die braucht es für jedes Engagement.“

 

„Das kann ich nur unterstreichen“, fügt Bettina Wagner hinzu. „Wir Ehrenamtlichen bekommen eine Menge zurück für unseren Einsatz. Und das nicht nur von den Hauptamtlichen, die uns wirklich gut begleiten. Viele unserer Anruferinnen und Anrufer sind uns spürbar dankbar. Und das motiviert uns natürlich sehr für unseren Dienst.“

 

Die TelefonSeelsorge bildet jedes Jahr interessierte Freiwillige für den Dienst am Telefon aus. Die Dienststellen organisieren die einjährigen Ausbildungen an den jeweiligen Standorten. Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, findet die Kontaktdaten einer Dienststelle in seiner Nähe unter https://www.telefonseelsorge.de/unserestellen/.  

 

Hintergrundinformation zur TelefonSeelsorge®

 

Mit mehr als 7500 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Als eine der ersten Suizidpräventionseinrichtungen wurde sie 1956 in der alten Bundesrepublik gegründet. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen die Mitarbeitenden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Die TelefonSeelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität. 

Die Beratung findet am Telefon, per Mail oder Chat und an insgesamt 23 Standorten auch im persönlichen Gespräch statt. Alle Beratungsangebote sind anonym und kostenfrei. 2019 wurden 932.100 Telefonate und 50.000 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 34.795 Mails geschrieben und es wurde 19.540 Mal gechattet. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die TelefonSeelsorge seit 2019 Hilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

 

Internationaler Tag des Ehrenamtes

 

Die Vereinten Nationen deklarierten 1985 den 5. Dezember zum

internationalen Tag des Ehrenamtes mit Wirkung ab 1986. In Deutschland ersetzte dieses Datum den bis dahin am 2. Dezember begangenen Tag des Ehrenamts.  

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