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Sozialpädiatrisches Zentrum der Stiftung kreuznacher diakonie warnt: Unterstützung für Kinder ist in Gefahr

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 4 Min. Lesezeit
Sozialpädiatrisches Zentrum der Stiftung kreuznacher diakonie warnt: Unterstützung für Kinder ist in Gefahr
Foto: Dr. Dorothee Zundel mit Dr. Christoph von Buch. Foto: Stiftung kreuznacher diakonie
Foto: Dr. Dorothee Zundel mit Dr. Christoph von Buch. Foto: Stiftung kreuznacher diakonie

Kinder- und Jugendärzte schlagen aus Sorge um den Nachwuchs während der Corona-Pandemie bundesweit Alarm. In Rheinland-Pfalz haben die Mediziner und Eltern noch tiefere Sorgenfalten. Die meisten Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) im Land sind seit Jahren unterfinanziert. Ein Problem, das sich auch in der personellen Ausstattung immer wieder niederschlägt. Die Folge: Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und anderen schweren Krankheitsbildern müssen oft lange warten, bevor sie beraten, betreut und begleitet werden können. In Corona-Zeiten verstärkt sich das Problem, das langfristig gravierende gesellschaftliche Folgen haben kann. 

 

Die Kinder- und Hausärzte aus Bad Kreuznach und Simmern haben nun eine Petition gestartet, um die Politik auf die Missstände bei der Versorgung der Kinder und ihrer Eltern aufmerksam zu machen. Die SWR Landesschau wird dieses Thema in den kommenden Tagen aufgreifen. Die Ärzte stellen sich an die Seite der Träger, wie etwa der Stiftung kreuznacher diakonie, die ebenfalls in den letzten Jahren erhebliche finanzielle Defizite verbuchen musste – allein im  Jahre 2020 waren das runde 1,3 Millionen Euro.  Gefordert wird: eine nachhaltige und kostendeckende Finanzierung der SPZ im Land. Da sich die Verhandlungen mit den Kostenträgern seit mehr als einem Jahr hinziehen, bedarf es nun endlich ein Verhandlungsergebnis, das den Trägern der SPZ auskömmliche Entgelte sichert, damit diese sich auf ihre eigentliche Arbeit zum Wohl der Kinder konzentrieren können. 

 

Dabei steht einiges auf dem Spiel: „Jede Woche ohne Versorgung für die betroffenen Kinder kann mit erheblichen Konsequenzen verbunden sein. Und dies bedeutet einen langfristigen Chancenverlust. Die Eltern dieser Kinder werden hilflos zurückgelassen und drohen in der Überforderung zu enden. Das können wir nicht zulassen“, so Dr. Christoph von Buch, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach, der beispielsweise die Frühgeborenen seiner Station auch nach der Entlassung aus dem Krankenhauses gut gefördert bzw. begleitet wissen will. Er ist nur einer von vielen Medizinern, der dem Sozialpädiatrischen Zentrum in Bad Kreuznach seine kleinen  Patienten anvertraut.   

 

Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass die Kosten einer frühen Intervention um ein Vielfaches geringer sind als die Kosten, die bei einem (möglicherweise vermeidbaren) Besuch einer Sondereinrichtung, eines Heimes oder einer gescheiterten Schullaufbahn entstehen.

 

„Hier werden jährlich 3500 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen, Entwicklungsauffälligkeiten, angeborenen oder erworbenen Behinderungen und Verhaltensauffälligkeiten  und deren Eltern beraten, betreut und begleitet“, erklärt Dr. Dorothee Zundel, Ärztliche Leiterin des Zentrums, die erst vor wenigen Wochen ihr Amt übernommen hat und nun versucht mit den vorhandenen Ressourcen den Betrieb aufrechtzuerhalten. „Wir wollen die Warteliste nicht noch länger werden lassen. Mindestens ein Jahr beträgt derzeit die Wartezeit zur Erstvorstellung von entwicklungsgefährdeten und behinderten Kindern, Kindern mit (Teil-) Leistungsstörungen und Kindern mit Gefährdung der sozialen oder schulischen Teilhabe“. Dr. Zundel sorgt sich insbesondere um die Kinder mit Epilepsien, die keine alternativen Anlaufstellen haben. Für Kindern und Eltern aus dem weiten Umfeld ist das SPZ  eine wichtige Anlaufstelle, die nun selbst ums Überleben kämpft. Das Einzugsgebiet ist nicht nur der Landkreis Bad Kreuznach. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus dem Kreis Birkenfeld, dem Rhein-Hunsrück-Kreis, dem Kreis Kusel, Teilen des Kreises Mainz-Bingen und dem Donnersbergkreis sowie aus dem Bereich Alzey-Worms. 

 

Sie weiß, dass der Druck auf das eigene Personal immens hoch ist. Keiner will die Kinder und ihre Eltern im Stich lassen. Deshalb sucht die Stiftung kreuznacher diakonie weitere Fachkräfte. Zum 1. Juli fängt ein neuer Arzt im SPZ Bad Kreuznach an. „Bislang konnten wir dringende Fälle, in denen kurzfristiger Handlungsbedarf bestand, geradeso auffangen“, so Dr. Zundel. „Wir haben einen Versorgungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigung, den wir seit 1980 erfüllen, doch die dazugehörige finanzielle Ausstattung fehlt.“  Damit steht das SPZ der Stiftung kreuznacher diakonie nicht allein: Ein Spagat, der für das Trierer SPZ schon vor zwei Jahren zur Zerreißprobe wurde und darin gipfelte, dass die Einrichtung vorrübergehend Insolvenz anmelden musste. Keine guten Aussichten für Kinder, Eltern und Ärzte des SPZ Bad Kreuznach, die sich im Stich gelassen fühlen, die Zukunft des Nachwuchses zu gestalten und ihnen eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. 

 

Die Petition der Kinderärzte Bad Kreuznach Simmern ist hier abrufbar: https://bit.ly/383hXHL Wer die Petition unterstützen möchte, kann online unterzeichnen.  

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