Die Leiterin der Gruppe der Demenz-Kompetenz-Ansprechpartner Alisa Wilbat mit einer Demenzdecke.

 

Wer ins Krankenhaus muss, hat nicht nur mit seiner Krankheit zu kämpfen, Angst und Unsicherheit, was auf ihn zukommt, begleiten fast jeden Patienten. Für Menschen mit Demenz ist die fremde Umgebung eine noch größere Belastung. Sie können schlecht einordnen, was mit ihnen geschieht, sind verwirrt und ängstlich oder reagieren aggressiv. Je nach Schweregrad der Demenz können sie teilweise nicht mehr formulieren, welche Beschwerden sie haben und wie stark ihre Schmerzen sind. Dies stellt auch Ärzte und Pflegekräfte vor besondere Herausforderungen, denn diese Menschen benötigen eine erhöhte
Aufmerksamkeit und besondere Betreuung. Deshalb bildet die Stiftung kreuznacher diakonie seit Jahren Demenz-Kompetenz Ansprechpartner aus. Alisa Wilbat leitet die Gruppe der Demenz-Kompetenz Ansprechpartner im Diakonie Krankenhaus in Bad Kreuznach, die Patienten mit Demenz als „Nebenerkrankung“ und deren Angehörige während des Behandlungsprozesses unterstützen und Mitarbeitende quer durch alle Abteilungen im Haus für das Thema sensibilisieren. Sie weiß, worauf es im Umgang mit Demenzbetroffenen ankommt.

Die Woche für das Leben ist seit mehr als 25 Jahren eine ökumenische Initiative der evangelischen und katholischen Kirche für den Schutz und die Würde des Menschen vom Lebensanfang bis zum Lebensende. In diesem Jahr ist das Schwerpunktthema Demenz. Die Stiftung kreuznacher diakonie nimmt diese Woche zum Anlass, um diese ganz speziellen pflegerischen Experten und ihre Arbeit vorzustellen.

Warum gibt es im Diakonie Krankenhaus Demenz-Kompetenz Ansprechpartner?

Alisa Wilbat: Rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland leben mit der Diagnose Demenz, dem Verlust von Gedächtnisleistungen und Denkvermögen. Der größte Risikofaktor ist das Alter: Je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass man an Demenz erkrankt. Aufgrund des demographischen Wandels wird dieser Anteil in Zukunft noch steigen. Auch im Diakonie Krankenhaus beobachten wir diese Entwicklung. Kommen diese Menschen wegen eines anderen Leidens ins Krankenhaus braucht es umso mehr einen ganz individuellen
bedürfnisorientierten Umgang mit dem Patienten, eine einfühlsame Art und ein spezialisiertes professionelles Verständnis für den Demenzbetroffenen. Eine steigende Zahl von Patienten macht geschultes Personal für alle Bereiche so wichtig.

Welche Herausforderungen haben Patienten mit der „Neben-Diagnose Demenz“ im Krankenhaus?

Alisa Wilbat: Für Menschen mit Demenz ist im Krankenhaus alles neu. Sie bewegen sich in einer fremden Umgebung, vermissen die gewohnten Gesichter aus ihrem Zuhause und müssen einen neuen Alltag kennenlernen. Oft stehen Untersuchungen an, die die Menschen nicht selbstständig verarbeiten oder einordnen können: Dies kann sich negativ auf den Genesungsprozess auswirken. Durch kleine Hilfsmittel unterstützten wir Patienten im Krankenhausalltag: Eine besondere kontrastfarbige Antirutschunterlage für Besteck und Teller verhindert das Wegrutschen und erleichtert das Essen. Ein spezieller Kalender mit extra großen Zahlen und Buchstaben ist sehr gut lesbar und erleichtert die Orientierung. Einlaminierte Fotos an den Türen der Patienten helfen dabei, das eigene Zimmer leichter wiederzufinden. Boxen
mit Beschäftigungsmaterial bieten Anknüpfungspunkte für Gespräche, Erinnerungen und Aktivierungsangebote. Dies sind nur Kleinigkeiten, die aber für die Patienten Goldwert sind.

Wie wird man Demenz-Kompetenz Ansprechpartner und was sind die Aufgaben?

Alisa Wilbat: Demenz-Kompetenz Ansprechpartner sind Gesundheits- und Krankenpfleger, die ein spezielles Wissen über kognitive Beeinträchtigungen und Demenz haben und in allen Fachbereichen des Krankenhauses arbeiten. Wenn man sich dafür entscheidet, Demenz-Kompetenz Ansprechpartner zu werden, kann man im Rahmen interner Qualifizierungsmaßnahmen über eine modulare Inhouse-Schulung, die von der Akademie organisiert wird, ausgebildet werden. Im Mittelpunkt stehen Kommunikation, Interaktion und Basiswissen. Im Diakonie Krankenhaus Bad Kreuznach und Kirn gibt es insgesamt 20
Demenz-Kompetenz Ansprechpartner. Auch in den anderen Krankenhäusern und Einrichtungen der Stiftung kreuznacher diakonie arbeiten Demenz-Kompetenz Ansprechpartner. Demenz-

Kompetenz Ansprechpartner nehmen im Krankenhausalltag eine wichtige Vorbildfunktion ein. Sie stehen bei persönlichen und pflegefachlichen Fragen beratend zur Seite. Sie geben gleichzeitig
ihr Wissen an Kollegen weiter und sensibilisieren sie für diese Erkrankung. Sie wirken im lokalen Arbeitskreis Demenz mit und entwickeln, optimieren und implementieren Neuerungen in der
Versorgung demenzbetroffener Menschen nach aktuellem wissenschaftlichem Stand.

Quelle:
Stiftung kreuznacher diakonie

 

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