„diPura Zahnklinik“

EXPERTENINTERVIEW mit Dr. medic. stom. (RO) Diana Svoboda, ärztliche Leiterin der diPura Fachklinik für Zahnäs thetik und Implantologie in Essen.

Rund 25 Millionen der erwachsenen Deutschen lei den  unter  dieser  schleichenden  Entzündung  des  Zahnhalteapparates,  die  die  Karies  als  Hauptursache  für  Zahnverlust  mittlerweile überholt  hat. Wie  gefährlich  eine  chronische  Parodontitis nicht nur für Zahnfleisch und Zähne, sondern auch für den ganzen Körper ist,  wissen  viele  Betroffene  aber nicht. Zahnmediziner  stufen  die  Zahnfleischentzündung  als  ernsthafte Allgemeinerkrankung ein, die die gesamte Immunabwehr des Körpers angreift  und schwerwiegende  Folgeerkrankungen wie  Diabetes  mellitus,  Asthma, Herz-Kreislauf 

Erkrankungen, Arthritis oder Schlaganfälle auslösen kann. Außerdem ist mittlerweile auch  bekannt, dass eine unbehandelte Parodontitis vorzeitige Wehen und damit Frühgeburten  auslösen kann. Neue Therapieansätze verfolgen deshalb ein ganzheitliches  Behandlungs konzept,  das  die  Entzündungsfaktoren  der  Parodontitis mit  der  allgemeinen  Abwehrlage  des Körpers in Zusammenhang bringt. 

 

 


Was genau ist eine Parodontitis? 

Dr.  Svoboda:  „Eine Parodontitis ist eine akute oder chronische Entzündung des Zahnhalte apparates, die durch bestimmte Bakterienstämme im Mundraum ausgelöst wird. Dabei er krankt  nicht  der  Zahn  selbst,  sondern  das  umliegende  Gewebe,  das  ihn  im  Kieferknochen  verankert.  Eine  chronische  Parodontitis  verläuft  in  der  Regel  schleichend  und  in  einzelnen  Schüben.  Wird  die  Entzündung  akut, treten  Symptome  wie  Rötungen,  Schwellungen  oder  Blutungen des Zahnfleisches auf. Unser Körper reagiert dann mit einer erhöhten Immunab wehr, um die entzündungsauslösenden Bakterien  zu bekämpfen. Die  sogenannte Gingivitis  ist  die  Vorstufe  der  Parodontitis – sie  schädigt  das  Zahnfleisch  rund  um  den  Zahn. Weitet sich  diese  Entzündung  des Weichgewebes  zu  einer  Parodontitis aus,  sind  auch  der  Kiefer knochen und das Wurzelzement betroffen. Am Zahnfleischrand bilden sich tiefe parodontale  Taschen, in denen sich die schädigenden Bakterien festsetzen und vermehren. Je nach Tiefe der Zahnfleischtasche wird der Grad der Parodontitis in leicht (1-2mm), mäßig (3-4mm) und  schwer (über 5mm) eingestuft. Als Folge zieht sich das Zahnfleisch zurück, ,lange‘ Zähne ent stehen,  der  betroffene  Zahn  lockert  sich  und  geht  letztendlich  verloren – auch Implantate  können betroffen sein. Der Zahnmediziner spricht in diesem Falle von einer Periimplantitis.“ 

Zahnmediziner  nennen die  Parodontitis „Silent  Inflammation“,  also „Stille  Entzündung“.  Was bedeutet das konkret und warum ist das für unsere allgemeine Gesundheit so gefährlich? 

Dr.  Svoboda: „Unter Silent Inflammation werden Entzündungsprozesse im  Körper  verstan den, die zunächst keine klassischen Anzeichen wie Schwellungen, Rötungen oder Hitze auf weisen,  sondern  schleichend  und  erst  einmal  völlig  beschwerdefrei verlaufen. Die  Entzün dungsmarker im Blut liegen in der Regel nur leicht über dem Normbereich. Dennoch schwelt  die Entzündung wie ein  stiller Herd  in  unserem  Körper, das Immunsystem  befindet  sich  in  kontinuierlicher  Alarmbereitschaft  und  greift  die  schädigenden  Bakterien  ständig  an.  Dem  Körper wird dadurch viel Energie entzogen und wir fühlen uns schlapp und müde. Bleibt die  stille Entzündung langfristig unerkannt und die Immunabwehr damit ständig in Arbeit, steigt  das  Risiko  für weitere gefährliche Erkrankungen. Unsere Mundgesundheit ist also ein ganz  wesentlicher Faktor für die Gesundheit unseres ganzen Körpers.“ 

Häufig  liest  man,  dass  eine  gesunde  Ernährung  eine  ganz  wesentliche  Rolle  in  punkto  Mundgesundheit spielt. Inwiefern gilt dies für das Krankheitsbild der Parodontitis?


Dr. Svoboda:
„Das Ganze ist ein Wechselspiel zwischen Ernährung, Darm- und Mundgesund heit. Eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit den Vitaminen A,B,C,D,E und K sowie vielen  Spurenelementen,  Omega-Fetten,  Magnesium,  Kalzium  und  dem  Coenzym  Q10 tut  der  Mundflora und damit den Zähnen sowie dem Zahnhalteapparat nachweislich sehr gut. Es hat  sich gezeigt, dass ohne diese orthomolekularen Bestandteile die Entstehung einer entzündlichen Gingivitis und damit einer Parodontitis begünstigt wird. Der Grund liegt in der Immun lage unseres Körpers: Je gesünder wir uns ernähren, desto besser arbeitet unser Immunsys tem  und  umso  weniger  Angriffschancen  haben  die  entzündungsauslösenden  Parodontitis Bakterien. In dieses Zusammenspiel gehört zudem eine gesunde Darmflora, denn wenn der Darm nicht richtig arbeiten kann, belastet auch er unser Immunsystem und kann damit Ent zündungsreaktionen  Vorschub  leisten.  Es  macht  deshalb  Sinn,  die  orthomolekulare  Ernäh rung  durch  Probiotika  und  Bifidobakterien zu  unterstützen. Diese Nährstoffe  sanieren  den  Darm und  regen  seine gesunde Tätigkeit an. Arbeiten Darm und Immunsystem also intakt,  sinkt das Risiko für Entzündungsherde im Körper und damit auch für die Parodontitis.“ 

Was bedeuten diese Faktoren nun konkret für die Therapie von Parodontitis-Patienten?

Dr. Svoboda: „Aktuell entsteht ein ganz neuer ganzheitlicher Therapieansatz, der die Chance  bietet, ohne den Einsatz von Antibiotika auszukommen. Er ist besonders wertvoll  für chro nisch  erkrankte Patienten,  bei  denen  klassische  zahnärztliche  Parodontitis-Therapien  nicht  die  gewünschte Wirkung  zeigen. Durch  die  gezielte  Zufuhr  von Orthomolekularia,  die Um stellung auf eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung und eine Darmsanierung können sich  die  Entzündungswerte  im  Körper  verbessern.  Wenn  die  Therapie also anschlägt,  reguliert  sich  der  sogenannte  aMMP-8-Entzündungsmarker  im  Körper  auf  einen  gesunden  Bereich.  Dieser aMMP-8-Wert dient in der Parodontologie als Messfaktor zur ersten Diagnose einer  Gingivitis  bzw.  Parodontitis.  Ist  er  im  Normbereich,  liegt  kein  Entzündungswert  im  Körper  vor.  Parodontale  Erkrankungen  können  also  gezielt  und  ohne  den  Einsatz  von  Antibiotika  behandelt und geheilt werden.“ 

Wie wirkt sich das auf die Mundgesundheit und auf die allgemeine körperliche Gesundheit  aus? 

Dr. Svoboda: „Mit dieser ganzheitlichen Therapie kann die Entzündung des Zahnhalteappa rates geheilt  und  einem  erneuten  Ausbruch  entgegengewirkt  werden.  Das  bedeutet,  dass  das Zahnfleisch langfristig gesund bleibt und auch der durch die Parodontitis drohende Zahn oder Implantatverlust  vermieden  werden  kann. Durch  die Eindämmung  der Entzündungen im Körper und eine gesunde Tätigkeit des Immunsystems, sinkt auch das Risiko  für die ge fährlichen  Folgeerkrankungen,  die eine  Parodontitis auslösen  kann.  Besonders  bei Diabeti kern,  die  ein  erhöhtes  Parodontitis-Risiko  haben,  kann  sich  diese  Therapie  positiv  auf  die  Grunderkrankung auswirken. Gelangen nämlich die Parodontitis auslösenden Bakterien aus  dem Mundraum des Diabetikers in  seinen Blutkreislauf,  setzen  sie dort bestimmte Entzün dungsmoleküle  frei,  die  die  Wirkung  des  lebenswichtigen  Insulins  verringern  können.  Der  Diabetes  ist  als  Folge  schwieriger  zu  kontrollieren  und  kann  sich  sogar  verschlimmern.  Dämmt man  die  bakteriell  verursachten  Entzündungsherde  im Mundraum  durch  die  ganz heitliche Therapie ein, hat das also eine sehr positive Wirkung auf den Blutzuckerspiegel bei  einem Diabetes mellitus.“ 

Wie kann man einer Parodontitis generell aktiv vorbeugen? 

Dr. Svoboda: „Eine effiziente Kombination aus häuslicher Zahnpflege und regelmäßiger Pro phylaxe mit Kontrolluntersuchungen sowie professionellen Zahnreinigungen ist nach wie vor  die  beste  Vorsorge.  Ernähren  Sie  sich  ergänzend  gesund  und  ausgewogen,  um  möglichen  stillen  Entzündungen  im  Körper  entgegenzuwirken  und  Darm  und  Immunsystem  aktiv  ge sund  zu  erhalten.  Wenn  Sie  dennoch  länger  anhaltende  Zahnfleischprobleme  bekommen,  sprechen Sie  unbedingt mit Ihrem Zahnarzt. Er kann  die Tiefe  der Zahnfleischtaschen kon trollieren und einen schnellen und schmerzfreien Test (aMMP-8-Test) auf Entzündungsmar ker  im  Körper  durchführen  und  bei  positivem  Befund  sofort  reagieren.  Je  schneller  eine Gingivitis oder Parodontitis diagnostiziert wird, desto besser ist sie zu behandeln – Zahnver luste und  die Entstehung  schwerwiegender  Folgeerkrankungen  können  so  vermieden wer den.“  

 

Quelle:
Übermittelt von ABC HEALTHCARE GmbH & Co. KG

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