Ein neuer Blick auf Gesundheit & Wohlbefinden GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN
gesundheitRHEIN–NAHESuche ↗
MenüErnährungBewegungÜberregionale GesundheitsnachrichtenNewsletterUnsere Gesundheits-ExpertenKreis Bad KreuznachKreis Mainz-BingenKreis Aley-WormsRhein-Hunsrück KreisSelbsthilfegruppenWerbungUncategorizedArchivNachrichten aus der MedizinAdvertorialNaturheilkundePflegePsychologieEntspannungKörper & PsycheCoronaKur & ErholungKrebs-BlogDiät & ErnährungApotheken & MedizinPflege & VersorgungGesundheit & PolitikAlternative HeilmethodenStellenangeboteWellness & BeautyWellness & EntspannungSuche
Kreis Mainz-Bingen

Vitamin D unterstützt Behandlung von Therapieresistenzen

Joachim Kübler · · 4 Min. Lesezeit

Kopf-Hals-Tumoren lassen sich mit „Sonnen-Vitamin“ effektiver bekämpfen

Therapieresistenzen sind eine Hauptproblematik bei Krebs. Wissenschaftler:innen der Universitätsmedizin Mainz haben zusammen mit der Alexandria Universität in Ägypten nun einen neuen Mechanismus zur Überwindung von Therapieresistenzen bei Kopf-Hals-Tumoren identifiziert. Hierbei spielt die Gabe von Vitamin D eine entscheidende Rolle, um den Effekt der Chemotherapie zu verstärken. Die Kombination induziert das “Selbstmordprogram” selbst in therapieresistenten Tumorzellen. Die Erkenntnisse bilden nicht nur eine Grundlage für neue Kombinationstherapien, sondern könnten auch unser Verständnis über Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs verbessern. Nachzulesen sind sie in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift „Cancers“.

Vitamin D steht in dem Ruf, die Überlebensrate von onkologischen Erkrankungen zu verbessern. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht verstanden. Vitamin D ist kein Vitamin im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Hormon, und hat daher vielfältige Effekte. Bekannt auch unter dem Namen „Sonnen”-Vitamin, wird circa 90 Prozent des benötigten Vitamin-D-Bedarfs in der Haut mit Hilfe von Sonnenstrahlen gebildet. Ein Vitamin-D-Mangel ist jedoch in der älteren Bevölkerung und insbesondere bei Krebspatient:innen weit verbreitet. Daher werden in einigen Ländern sogar Nahrungsmittel mit Vitamin D angereichert.

Doch wie übt Vitamin D eigentlich seine positive Wirkung aus und unter welchen Umständen sollte über eine therapiebegleitende Vitamin-D-Gabe nachgedacht werden? Kann Vitamin D bei Therapieresistenzen helfen? Diese Fragen stellte sich das Forscherteam um Prof. Dr. Roland Stauber an der Hals-, Nasen-, Ohren-Klinik und Poliklinik – Plastische Operationen der Universitätsmedizin Mainz. Für die Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren mittels Chemotherapie werden hauptsächlich Platin-basierte Zytostatika eingesetzt, beispielsweise Cisplatin. Allerdings kann der Körper Resistenzen entwickeln, so dass die Mittel nur begrenzt wirken, also nicht im gewünschten Ausmaß die Krebszellen abtöten.

„Therapieresistenzen stellen eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung von Kopf-Hals-Tumoren dar. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind komplex und trotz intensiver Forschung noch nicht vollständig aufgeklärt. Das macht unsere Arbeit in diesem Bereich so bedeutend“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Roland Stauber.

Die Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass die kombinierte Behandlung von Vitamin D und Cisplatin zum vermehrten Absterben selbst von Cisplatin-resistenten Tumorzellen führte. Vitamin D alleine zeigte keine Auswirkung auf das Überleben der Krebszellen. Die Kombination bewirkte eine erhöhte Bildung des sogenannten BIM-Eiweißes in den Krebszellen. Dieses “Selbstmordprotein” leitet den programmierten Zelltod ein. Dabei handelt es sich um ein natürliches Schutzprogramm der Zelle, welches jedoch im Zuge der Resistenzentwicklung in Tumorzellen häufig inaktiviert wird.

„Mit unseren Ergebnissen legen wir einen wichtigen Grundstein für die weitere klinische Erforschung einer kombinierten Vitamin-D-Chemotherapie“, erklärt Aya Khamis, Erstautorin der Studie und Mitglied in der Forschungsgruppe von Professor Stauber. Dieser ergänzt: „Nun gilt es herauszufinden, wie relevant unsere Entdeckungen auch für die Behandlung anderer Krebsarten sind, wie beispielsweise Brust- oder Darmkrebs.”

Die Studie wurde unter anderem durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie mit inneruniversitären Mitteln finanziell gefördert.

Tumore des Rachens, des Kehlkopfs, der Lippen und der Mundhöhle gehören zu den zehn häufigsten Krebsarten. Weltweit verursachen sie rund fünf Prozent der tumorbedingten Todesfälle. Aufgrund der aggressiven Heterogenität dieser Tumoren, der anatomischen Unzugänglichkeit und hohen Rezidivraten haben sich die Überlebensraten für die Kopf-Hals-Tumore in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich verbessert. Die Behandlung umfasst in der Regel Operation, Bestrahlung und Chemotherapie oder eine Kombination von Behandlungen.

Weitere Informationen:

Originalveröffentlichungen: „The Vitamin D Receptor-BIM axis overcomes cisplatin resistance in head and neck cancer“. Khamis, A., Gül, D. et al. Cancers 2022, 14(20):5131x.
DOI: 10.3390/cancers14205131

Siemer, S., et al. Profiling Cisplatin Resistance in Head and Neck Cancer: A Critical Role of the VRAC Ion Channel for Chemoresistance. Cancers 2021, 13, 4831.


Quelle:
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Weiter entdecken

Kreis Mainz-Bingen

Startschuss für das Lungenzentrum Mainz

Universitätsmedizin Mainz und Marienhaus Klinikum Mainz gründen gemeinsames Behandlungszentrum für Lungenerkrankungen Vom 1. April 2023 an bieten das Marienhaus Klinikum Mainz und die Universitätsmedizin Mainz gemeinsam eine optimierte Versorgung für Patient:innen mit Lungenerkrankungen. Zu diesem Zweck haben die Kooperationspartner ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Pneumologie und der Thoraxchirurgie sowie in den angrenzenden Fachgebieten im […]

03.04.2023 Artikel ansehen ↗
Kreis Mainz-Bingen

Neue Erkenntnisse für die Parkinson-Therapie

Forschende der Universitätsmedizin Mainz entdecken verbesserten Ansatz zur Tiefenhirnstimulation  Wissenschaftler:innen der Sektion für Bewegungsstörungen und Neurostimulation der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz haben eine wesentliche neue Erkenntnis zur Funktionsweise des Gehirns erzielt: Der sogenannte Nucleus subthalamicus, ein Nervenkern im Stammhirn, reguliert sowohl die Geschwindigkeit, mit der Bewegungen ausgeführt werden, als auch die […]

23.03.2023 Artikel ansehen ↗
Kreis Mainz-Bingen

Von Forschenden der Universitätsmedizin Mainz neu entwickeltes KI-Modell verbessert Diagnostik bei Darmkrebs

Bessere Vorhersagen von Therapieansprechen und Überlebenschancen durch  innovatives Prognosemodell.  Wissenschaftler:innen des Instituts für Pathologie der  Universitätsmedizin Mainz haben ein KI-basiertes Prognosemodell für Tumorerkrankungen des Dickdarms entwickelt. Mit Hilfe dieses sogenannten „Multi Stain Deep Learning“-Modells lassen sich mikroskopische Bilder von verschiedenen  Immunzellen im Tumor und seinem Umfeld effektiver und genauer auswerten als mit  bisherigen Methoden. Dadurch […]

14.03.2023 Artikel ansehen ↗