· 

Serie (2. Teil) Landtagskandidat der CDU - Dr. Helmut Martin (Wahlkreis Bad Kreuznach) - zu gesundheitspolitischen Themen

Das Interview führte Joachim Kübler

Corona hat unser Leben verändert und in vielen Bereichen längst bestehende Probleme drastisch vor Augen geführt - auch deshalb ist Gesundheitspolitik ein wichtiger Punkt für die Wähler.

Krankenhäuser sind zunehmend auf Profit ausgerichtet - einige sollen deshalb geschlossen werden. Was ist Ihre Meinung dazu - auch im Hinblick auf zukünftige Pandemien?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass wir in Deutschland eines der weltweit leistungsstärksten Gesundheitssysteme haben. Dazu gehört auch eine im internationalen Vergleich hohe Ausstattung mit Krankenhausbetten. Gute medizinische Versorgung inklusive einer ausreichenden Zahl von sachlich und personell gut ausgestatteten Krankenhäusern gerade auch für die Menschen im ländlichen Raum ist ein

 

mir ganz wichtiges Ziel, um gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land sicherzustellen. Dabei müssen wir auch berücksichtigen, dass gute medizinische Versorgung entsprechende Expertise der Mediziner und der Pflegekräfte und also unter anderem auch entsprechende Fallzahlen voraussetzt. Erfahrung und Praxis sind neben der Ausstattung ebenfalls wichtige Bedingungen für erfolgreiche Behandlungen von Verletzen und Kranken. Deswegen werden auch künftig nicht alle Maßnahmen in allen Krankenhäusern möglich sein – und Krankenhäuser, die nicht ausreichend nachgefragt werden, müssen sich ggf. spezialisieren bzw. im Angebot reduzieren, um erhalten werden zu können. Eine Überversorgung über den Bedarf hinaus würde Gelder kosten, die an anderer Stelle im Sozialbereich dringend benötigt werden.

Die Versorgung mit Arzneimitteln war und ist teilweise schwierig, weil man vom Ausland abhängig ist. Wie wollen Sie das ändern?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Auf Betreiben der CDU-Landtagsfraktion befasst sich eine Enquete-Kommission des Landtags mit der Frage, welche Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen wir aus der Corona-Krise ableiten können. Eines der dort behandelten Themen ist genau die Frage, ob wir besser mit Vorratshaltung oder mit dem Aufbau „heimischer“ Produktion auf Lieferschwierigkeiten reagieren sollten. Ein Problem ist dabei, dass es meist Gründe für eine Verlagerung von Produktionen ins Ausland gibt, also z. B. weil die (z. B. rechtlichen) Produktionsbedingungen in anderen Ländern förderlicher sind oder die Kosten geringer. Als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion setze ich mich natürlich schon aus grundsätzlichen Überlegungen dafür ein, dass wir in Deutschland so attraktive Standortbedingungen haben, dass ein Abwandern von Industrien – auch der in Rheinland-Pfalz und in Deutschland wichtigen Pharmaindustrie – möglichst vermieden wird. Ich lade alle ein, sich ebenfalls für dieses Ziel einzusetzen.

Pflegepersonal fehlt schon heute an allen Ecken und Enden. Wie kann man mehr Menschen von diesem wichtigen Beruf überzeugen?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Im letzten Jahr hatten wir als CDU-Fraktion im Rahmen des Projekts „Woche der Pflege“ in einer konzertierten Aktion landesweit zahlreiche Einrichtungen besucht und die Erkenntnisses gemeinsam ausgewertet. Auch wenn wir als Abgeordnete sicherlich regelmäßig auch mit Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern im Austausch stehen, war diese gebündelte Aktion sehr aufschlussreich. Mir haben viele, mit denen ich im Bereich Pflege gesprochen habe, gesagt, dass ein großes Erschwernis bei der Rekrutierung darin liegt, dass der Beruf häufig als wirtschaftlich wenig attraktiv dargestellt wird, was aber so – nach Aussage von Azubis, Pflegerinnen und Leitungskräften im direkten Gespräch – nicht stimmen würde. Das heißt nicht, dass nicht auch bei der Entlohnung nachjustiert werden kann, es geht aber um mehr, z. B. praxisgerechte Qualifikationsanforderungen, die die unterschiedlichen Bedürfnisse und Gaben der Menschen mit berücksichtigen, oder um die Arbeitsumstände, also z. B. Vorbeugung gegen Schäden infolge zu großer körperlicher Belastungen etc..

Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern werden meist deutlich besser bezahlt. Ist das nicht ungerecht?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Wie in allen Bereichen sollte die Entlohnung unter anderem die Belastungen einer Tätigkeit, die damit verbundene Verantwortung und die erforderliche Qualifikation berücksichtigen. Wo bei Anwendungen solcher Kriterien Gehaltsunterschiede nicht gerechtfertigt sind, sollten Anpassungen angestrebt werden.

Die neue generalistische Pflegeausbildung vereint die Bereiche der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Ist das der richtige Weg?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Zumindest ist dieser Weg von einer Mehrheit so beschlossen – jetzt muss man ihn gemeinsam gehen und Erfahrungen sammeln, um dann zu evaluieren, was ggf. verbessert werden kann.

In den 60er Jahren sind viele Pflegekräfte zum Beispiel von den Philippinen nach Deutschland gekommen. Warum war dieser Weg damals offensichtlich leichter als heute?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Ich erinnere mich noch daran, dass ich als Kind bei einem meiner Krankenhausaufenthalte auch eine der aus dem Ausland angeworbenen Krankenschwestern zur Betreuung hatte; die war total nett zu uns. Ob es mit der Anwerbung damals leichter war als heute, kann ich nicht beurteilen. Insgesamt gibt es in Deutschland gerade für qualifizierte Arbeitskräfte gute Zuwanderungsmöglichkeiten. Bei der Umsetzung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, insbesondere bei der Schaffung zentraler Verwaltungsstrukturen für die notwendige aber oft komplexe Sachbearbeitung, hinkt Rheinland-Pfalz allerdings auch zeitlich weit hinterher. 

Auf Termine bei Fachärzten  muss man oft zwischen 3 bis zu 6 Monate warten. Was ist Ihr Lösungsvorschlag?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Der Bundesgesetzgeber hat das Thema erkannt und es ist sichergestellt, dass die ärztlichen Bereitschaftsdienste Facharzt- oder Psychotherapeutentermine innerhalb von vier Wochen organisieren. In den von Ihnen in der Frage genannten Zeiträumen empfiehlt sich m. E. eine Rückfrage beim ärztlichen Bereitschaftsdienst. Auch hier gilt, dass wir in Deutschland im internationalen Vergleich eher kurze Wartezeiten haben – das ausgeprägte Solidarsystem funktioniert also bei uns im Großen und Ganzen gut.

Zur Drogen- und Suchtpolitik. Wie sollte Ihrer Meinung nach der Umgang mit Cannabis geregelt sein? 

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Das Thema beschäftigt viele und fehlt bei praktisch keiner Diskussion mit Schülerinnen und Schülern bei meinen Schulbesuchstagen. Auch wenn ich mit meiner Haltung da nicht unbedingt auf ungeteilte Gegenliebe stoße, bleibe ich dabei, dass die von Cannabis ausgehenden Gefährdungen nicht relativiert werden sollten. Wir haben uns auch in dem von mir als Landesvorsitzenden geleiteten Arbeitskreis Christlich Demokratischer Juristen (ACDJ) sehr intensiv mit dem Thema „Legalisierung von Cannabis“ auseinandergesetzt und unter anderem einen der führenden Rechtsexperten dazu gehört. Im Ergebnis sehe ich auf der einen Seite, dass Cannabis suchtgefährdend ist und erhebliche gesundheitliche Risiken beinhaltet, so dass schon deswegen eine Legalisierung nicht angezeigt ist. Zum anderen kann man aber auch sicher davon ausgehen, dass auch bei einer Legalisierung der Schwarzmarkt gerade nicht ausgetrocknet wird. Denn es wird immer illegale Anbieter geben, die Drogen mit höherem Wirkstoffgehalt zu günstigeren Preisen als in den „offiziellen Shops“ verkaufen können – schon, weil die Kosten der Legalisierung, wie z. B. Steuern etc., wegfallen.

Das Thema Sterbehilfe für Schwerstkranke ist weiter umstritten. Welchem Weg würden Sie folgen?

Dr. Helmut Martin, CDU
Dr. Helmut Martin, CDU

Respekt vor dem Leben in jeder Phase ist für mich eine der höchsten Errungenschaften unserer Kultur. Alles, was den Lebensschutz relativiert, ist daher mit großer Vorsicht zu beurteilen. Leicht kann eine vermeintliche Lockerung der Regeln dazu führen, dass Druck auf die Schwerstkranken entsteht – sei es tatsächlicher Druck oder nur empfundener Druck – dem Leiden ein Ende zu machen und nicht weiter Dritte zu belasten. Ich kämpfe aber für eine solidarische, menschliche Gesellschaft. Wir müssen die Schwerstkranken begleiten und Leid erträglich machen.

 


Die ganze Serie:

31. November:
SPD - Michael Simon

07. November:
CDU - Dr. Helmut Martin

14. November:
DIE LINKE -   Kevin Korn

21. November:
BÜNDNIS 90/DIEGRÜNEN -  Andrea Manz

Kommentar schreiben

Kommentare: 0