· 

Serie (3. Teil) Landtagskandidat DIE LINKE - Kevin Korn (Wahlkreis Bad Kreuznach) - zu gesundheitspolitischen Themen

Das Interview führte Joachim Kübler

Corona hat unser Leben verändert und und in vielen Bereichen längst bestehende Probleme drastisch vor Augen geführt - auch deshalb ist Gesundheitspolitik ein wichtiger Punkt für die Wähler.

Krankenhäuser sind zunehmend auf Profit ausgerichtet - einige sollen deshalb geschlossen werden. Was ist Ihre Meinung dazu - auch im Hinblick auf zukünftige Pandemien?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Die Schließung von Krankenhäusern, vor allem im ländlichen Bereich, sollte vermieden werden, um eine Unterversorgung der ländlichen Bevölkerung und längere Anfahrtswege zu vermeiden. Gerade die ältere Generation kann diese weiten Wege im Notfall nicht mehr leisten. Wir haben es gerade in Bingen gesehen, dort wurde die Geburtsklinik geschlossen, mit dem Resultat, dass nun Schwangere nach Bad-Kreuznach oder Mainz fahren müssen – Strecken von an die 30 Kilometer. Das darf nicht sein. Was wir gerade erleben, ist noch nicht einmal die Spitze des Eisberges, die Krankenhäuser waren noch nicht an ihrer Belastungsgrenze. Im Notfall sind wir froh um jedes Bett und Krankenhaus, was wir zur Verfügung haben.

Die Versorgung mit Arzneimitteln war und ist teilweise schwierig, weil man vom Ausland abhängig ist. Wie wollen Sie das ändern?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

In dem man verstärkt darauf setzt, dass Medikamente wieder im europäischen Raum hergestellt werden. Dazu benötigt es aber einige Maßnahmen um z.B. Steuerschlupflöcher zu schließen und „Dumping-Löhne“ im Ausland zu vermeiden. Hier aber Veränderungen zu erreichen, benötigt die Unterstützung von allen Parteien und ist alleine nur sehr schwer umsetzbar. 

Pflegepersonal fehlt schon heute an allen Ecken und Enden. Wie kann man mehr Menschen von diesem wichtigen Beruf überzeugen?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, eine angemessene Bezahlung, Aufstiegschancen und müssen von der  „Pflege-kann-Jeder“-Mentalität in der Politik endlich wegkommt. Pflege ist ein Beruf, welcher sowohl Sozialkompetenz und Empathie

als auch andere Skills fordert. Wenn man diese aktuelle Mentalität weiter verfolgt und die Gesundheit und Pflege weiter „dem Markt“ mit seinen finanziellen Anreizen überlässt, wird man die kommenden Generationen für die Pflege verlieren.

Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern werden meist deutlich besser bezahlt. Ist das nicht ungerecht?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Natürlich ist es ungerecht. Daher muss endlich ein bundesweiter Tarifvertrag her, damit alle Pflegekräfte das gleiche, aber auch angemessene Gehalt verdienen. Es darf dann keine Unterschiede mehr geben, ob jemand Krankenpfleger oder Altenpfleger ist und ob er im Krankenhaus, Pflegeheim oder im ambulanten Dienst arbeitet.

Die neue generalistische Pflegeausbildung vereint die Bereiche der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Ist das der richtige Weg?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Hier gehen wir wieder einmal den Weg zu schnell. Klar, wir wollen die Pflege an die anderen europäischen Länder angleichen. Aber diese Generalisierung ist nicht durchdacht. Wir werfen hier drei komplett unterschiedliche Berufe in einen Topf, rühren um und nach drei Jahren sollen alle ihr fachspezifisches Wissen haben. Das kann nicht funktionieren und wird einen Wissensverlust mit sich bringen, denn schon jetzt brauchte jede dieser Ausbildungen für sich alleine 3 Jahre. Es ist ein Schnellschuss, um die Wogen zu glätten und Aktionismus zu zeigen. Mehr aber auch nicht. 

In den 60er Jahren sind viele Pflegekräfte zum Beispiel von den Philippinen nach Deutschland gekommen. Warum war dieser Weg damals offensichtlich leichter als heute?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Damals galt Deutschland noch als ein Land, in dem man Karriere und Zukunft hatte, die Arbeitsbedingungen in der Pflege gut waren und die Bezahlung sich im Rahmen hielt. Heute ist es so, dass uns diesen Ruf die skandinavischen Länder wie z.B. Dänemark abgelaufen haben. Dort finden die Pflegekräfte nun die besseren Arbeitsbedingungen in Form eines guten Personalschlüssels, guter Bezahlung und einer guten Work-Life-Balance. Warum sollte man dann nach Deutschland kommen, wenn hier die Bezahlung, die Arbeitsbedingungen und der Work-Life-Balance schlechter ist? Sogar viele deutsche Pflegekräfte wählen bereits diesen Weg, entweder sie wandern aus oder wenn sie in Grenznähe wohnen, pendeln sie ins Ausland.

Auf Termine bei Fachärzten  muss man als Kassenpatient oft zwischen 3 bis zu 6 Monate warten. Was ist Ihr Lösungsvorschlag?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Durch eine enge Verknüpfung der unterschiedlichen medizinischen Gebiete benötigen wir ein kommunales medizinisches Netzwerk in den Gemeinden und Landkreisen, welches in der Lage ist, zu koordinieren und strukturieren. Durch eine enge Zusammenarbeit untereinander kann man die Wartezeit verkürzen und teils auch unnötige Doppelbehandlungen reduzieren. Aber dazu muss man die Attraktivität der Landärzte und Fachärzte verbessern. Es benötigt auch hier mehr Geld für die Ärzte und den Ausbau der Struktur auf dem Land, als auch weitere Förderungen für Mediziner, die diesen Weg dann gehen wollen - in Form von kommunalen Versorgungszentren.

Zur Drogen- und Suchtpolitik. Wie sollte Ihrer Meinung nach der Umgang mit Cannabis geregelt sein? 

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Der Weg für Cannabis als Behandlungsmöglichkeit, nicht nur für stark chronische Erkrankungen, hätte meines Erachtens schon früher geebnet werden sollen. Nach dem eine Vereinfachung zur Verschreibung vollzogen wurde, wäre für mich der nächste Schritt Cannabis für den „Genussverbraucher“ freizugeben. Hierbei sollte aber Beachtet werden, dass die Abgabe unterhalb des 18. Lebensjahres ausgeschlossen wird. Außerdem würde der Staat durch den Verkauf von Cannabis und Cannabis-Produkten enorme Steuereinnahmen generieren und, was hier besonders wichtig zu erwähnen ist: Der Schwarzmarkt wird nahezu ausgelöscht. Einwandfreies Cannabis geht an die Konsument*innen, was auf dem Schwarzmarkt wohl nicht der Fall ist. Das ist reine Verbraucher*innen-, Konsumenten*innen- und Kriminalitätsschutz, den es umzusetzen gilt!

 

Das Thema Sterbehilfe für Schwerstkranke ist weiter umstritten. Welchem Weg würden Sie folgen?

Kevin Korn, DIE LINKE
Kevin Korn, DIE LINKE

Jeder Mensch hat sowohl das Recht auf ein würdevolles Leben als auch einen würdevollen Tod, ganz nach seinen Wünschen und Vorstellungen. Sterbehilfe ist legitim. Ich favorisiere das „Niederlande-Modell“, das bedeutet speziell hierfür ausgelegte Kliniken, die bei Sterbewunsch eine unterstützende Funktion für die Patientinnen und Patienten übernehmen.


Die ganze Serie:

31. November:
SPD - Michael Simon

07. November:
CDU - Dr. Helmut Martin

14. November:
DIE LINKE -   Kevin Korn

21. November:
BÜNDNIS 90/DIEGRÜNEN -  Andrea Manz

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Karin Schäfer (Sonntag, 15 November 2020 03:26)

    Ich finde es toll, wenn sich junge Menschen in der Politik einsetzen. Noch dazu mit solchen Ideen. Weiter so!