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Serie (4. Teil) Landtagskandidatin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN - Andrea Manz (Wahlkreis Bad Kreuznach) - zu gesundheitspolitischen Themen

Das Interview führte Joachim Kübler

Corona hat unser Leben verändert und in vielen Bereichen längst bestehende Probleme drastisch vor Augen geführt - auch deshalb ist Gesundheitspolitik ein wichtiger Punkt für die Wähler.

Krankenhäuser sind zunehmend auf Profit ausgerichtet - einige sollen deshalb geschlossen werden. Was ist Ihre Meinung dazu - auch im Hinblick auf zukünftige Pandemien?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Corona zeigt Grenzen auf: Gesundheitsversorgung ist kein gewinnorientiertes Geschäft für die Börse, sondern eine gesellschaftliche, eine öffentliche Aufgabe. In ihrem Mittelpunkt steht der Mensch - und nicht die Rendite. Die GRÜNEN fordern: Öffentliches und beitragsfinanziertes Geld muss im Gesundheitssystem verbleiben. Wir wollen unsere Krankenhauslandschaft entsprechend den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten  umfassend aufstellen und Gesundheitsversorgung weiterdenken und besser verzahnen: gute zentrale, untereinander kooperierende Klinikangebote mit breit aufgestellter, ausgewiesener Erfahrung und sich ergänzender Fachkompetenz sowie gute regionale Angebote mit der

 

 

 

Öffnung zum ambulanten Sektor (Hebammen- und Gesundheitszentren etc.) inkl. Vernetzung mit der Pflege. Die dauerhafte Lehre aus Corona: Die übergreifende Kooperation von Krankenhäusern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie dem öffentlichem Gesundheitsdienst ist lebenswichtig. 

Die Versorgung mit Arzneimitteln war und ist teilweise schwierig, weil man vom Ausland abhängig ist. Wie wollen Sie das ändern?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Wir müssen jetzt für alle Zukunft vorsorgen: Wichtige Medikamente sowie Schutzausrüstung müssen in Deutschland bzw. in einem Land der EU hergestellt werden. Also gilt es hiesige Firmen dafür zu gewinnen, sich in diesen Bereichen zu engagieren. Das ist zum Teil schon während Corona gelungen. Das bedeutet aber auch, nicht nur nach dem billigsten Angebot zu schauen, sondern nach regionalem Ursprung und Qualität. Nebenbei ließe sich so auch sicherstellen, dass Medikamente etc. unter den hier geltenden Normen für Arbeits- und Gesundheitsschutz produziert werden.

Pflegepersonal fehlt schon heute an allen Ecken und Enden. Wie kann man mehr Menschen von diesem wichtigen Beruf überzeugen?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Wir haben schon immer kritisiert, dass die sogenannten „frauentypischen“ Berufe – die Verlängerung der unbezahlten Hausarbeit im öffentlichen Sektor wie Erziehungs- und Pflegearbeit - skandalös unterbezahlt sind und kaum gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erhalten. Dabei sind es essentiell systemrelevante Arbeiten, die in der Pflege geleistet werden. Hochwertige Ausbildung, attraktive Arbeitsbedingungen, bessere Personalschlüssel, bessere Bezahlung (die Tarifvereinbarung jetzt war ein erster Schritt), umfassende Fortbildung und mehr Wertschätzung sind notwendig.
Ärztin bzw. Arzt gelten für viele als Traumberuf – den pflegenden Berufen mit ihren besonderen

 

 

 

Herausforderungen sollte eine ebensolche Anerkennung zuteilwerden.

Also: Lavendel mag beruhigende Wirkung entfalten – aber erst bessere Rahmenbedingungen und Weiterbildungsmöglichkeiten machen Pflegeberufe attraktiv. Auch für Männer übrigens.

Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern werden meist deutlich besser bezahlt. Ist das nicht ungerecht?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Auch hier unterscheiden sich öffentliche und private Unternehmen: Oft geht die Gewinnorientierung der Privaten zu Lasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.  Ein höherer Mindestlohn puffert zumindest etwas ab. Statt Konkurrenzen aufzumachen sollten jedoch die Bereiche insgesamt bessergestellt werden. Denn alle Pflegeberufe brauchen eine deutliche Aufwertung – auch finanziell. Wir streben einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag für alle Pflegekräfte an. Und haben im Bund die Schaffung von insgesamt 50.000 weiteren Arbeitsplätzen in der Kranken- und Altenpflege gefordert.

Die neue generalistische Pflegeausbildung vereint die Bereiche der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege. Ist das der richtige Weg?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Pflege ist in allen Bereichen eine verantwortungsvolle Aufgabe, weil es Arbeit an Menschen ist – verbunden mit Zuwendung, Empathie und Fachkompetenz. Die vorgesehene Bündelung der verschiedenen Pflegebereiche mit einer umfassenden Grundausbildung, dem Kennenlernen aller Pflegebereiche und anschließender Spezialisierung mit der Möglichkeit, weitere Qualifizierungen wie z.B. ein Studium anzuschließen, sind zu begrüßen. Mit dieser Berufsausbildung schließt sich Deutschland der bereits in anderen Ländern der EU gängigen und bewährten Praxis an. Vielfältig qualifizierte Pfleger*innen sind vielseitig; vorausgesetzt, die Ausbildungsintensität in den einzelnen Fachbereichen wird nicht zu knapp gefasst, kann das nur von Vorteil für alle sein.

In den 60er Jahren sind viele Pflegekräfte zum Beispiel von den Philippinen nach Deutschland gekommen. Warum war dieser Weg damals offensichtlich leichter als heute?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

In den 60ern war ich Kind und habe bei zwei Krankenhausaufenthalten überhaupt keine Migrantinnen oder Migranten erlebt. Gefühlt hatten die Krankenhäuser damals mehr Geld im Topf, andere Personalschlüssel, mehr Zeit für Einarbeitung und Begleitung. Vielleicht wurde die Anerkennung von Abschlüssen anders gehandhabt.

Das Personal heute spiegelt viele Nationen und Kulturen wieder. Gerade dort, wo Menschen besondere Zuwendung benötigen, ist sprachliche und interkulturelle Kompetenz unabdingbar. Wo die eigene Sprache gesprochen wird, fühlt man sich geborgener – deshalb gehören ein multikulturelles Team, aber auch die Vermittlung guter deutscher Sprachkenntnisse für mich persönlich zu den Basics, auch in der Pflege. Einwanderung von Fachkräften muss mit Augenmaß stattfinden und darf nicht zur Unterversorgung in den Heimatländern führen.

Auf Termine bei Fachärzten  muss man oft zwischen 3 bis zu 6 Monate warten. Was ist Ihr Lösungsvorschlag?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Wartezeiten sind regional durchaus unterschiedlich. Die bestehende Facharzt-Hotline bietet – die Mobilität der Patientinnen und Patienten  vorausgesetzt – eine Möglichkeit. Generell ist dieses Problem jedoch nicht alleine auf Landesebene zu lösen. Wir wollen, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihre körperliche und seelische Gesundheit zu erhalten und im Krankheitsfall wieder gesund zu werden. Also braucht es mehr Studienplätze für Hausärzte und Fachärzte, Anpassungen bei der Anzahl der Niederlassungen sowie stärkere Anreize für die Niederlassung im ländlichen Raum. Hier ist die kassenärztliche Vereinigung gefragt.

Zur Drogen- und Suchtpolitik. Wie sollte Ihrer Meinung nach der Umgang mit Cannabis geregelt sein?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Die GRÜNEN setzen auf „Regulieren statt Kriminalisieren“ und fordern auf Bundesebene die Freigabe von Cannabis unter strengem Jugendschutz und staatlicher Kontrolle ein, um die Strafverfolgungsbehörden von aufwendigen, zeitraubenden Verfahren zu entlasten. Persönlich sehe ich das anders: Angesichts der körperlichen und psychischen Folgeschäden bei Missbrauch stimme ich der Freigabe von Cannabis nicht in diesem Umfang zu. Ich befürworte die Anwendung unter ärztlicher Aufsicht im Krankheitsfall, z.B. zur Schmerztherapie. 

Das Thema Sterbehilfe für Schwerstkranke ist weiter umstritten. Welchem Weg würden Sie folgen?

Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach
Andrea Manz, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Bad Kreuznach

Wir brauchen dringend eine Informationskampagne zu den Hilfen, die gesetzlich geregelt sterbenden Menschen zur Verfügung stehen. Es gibt viele Angebote der ambulanten und stationären Sterbebegleitung - medizinisch, pflegerisch und hospizlich begleitend -, die leider noch zu wenig bekannt sind. Für mich ist die Patientenverfügung die grundlegende Willensbekundung, auf deren Basis eine Ethikkommission beraten kann. Die Entscheidung sollte dabei möglichst nicht allein auf den Schultern der behandelnden Ärztin bzw. des Arztes liegen; die Beratung sollte in einem Team erfolgen, dem auch Angehörige vertreten sind.

 

 

 

 

Wir wollen nicht, dass alte Menschen nach Sterbehilfe rufen, weil sie Angst haben, ihren Angehörigen zur Last zu werden. Wir setzen uns ein für Rahmenbedingungen, die ein gutes Leben im Alter ermöglichen. Die GRÜNEN treten ein für eine würdevolle Sterbebegleitung mit guter palliativer Versorgung inkl. Schmerzbekämpfung.


Die ganze Serie:

31. November:
SPD - Michael Simon

07. November:
CDU - Dr. Helmut Martin

14. November:
DIE LINKE -   Kevin Korn

21. November:
BÜNDNIS 90/DIEGRÜNEN -  Andrea Manz

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