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Leitfaden für pflegende Angehörige: Druckgeschwüre vermeiden

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 3 Min. Lesezeit
Leitfaden für pflegende Angehörige: Druckgeschwüre vermeiden
Christine Wolf
Christine Wolf

Wenn Pflegebedürftigkeit eintritt, ob langsam wie bei einer Demenz oder überraschend wie nach einem Schlaganfall, übernehmen häufig Angehörige die Pflege. Sie übernehmen eine Fülle von pflegerischen Aufgaben, ohne dafür professionell ausgebildet zu sein – und nicht selten steht man nach einem plötzlichen Pflegefall von heute auf morgen vor einer sehr verantwortungsvollen Aufgabe.

 

Die Pflege von Angehörigen ohne das nötige Fachwissen ist immer auch mit gewissen Pflegerisiken verbunden. Dazu gehören insbesondere für den Pflegebedürftigen die Risiken einen Dekubitus zu entwickeln, einen Sturz im häuslichen Umfeld zu erleiden, weitere Hautirritationen zu entwickeln, Lungenentzündungen oder Thrombosen zu erleiden. Diese Risiken bergen große Gefahren für den pflegebedürftigen Menschen. Hier gilt der allgemeingültige Grundsatz: „Krisen meistert man am besten, indem man ihnen zuvor kommt.“

 

 

 

 

Als Dekubitus (Druckgeschwür) wird eine Gewebezerstörung der Haut und der unter ihr liegenden Gewebeschichten bezeichnet. Durch Druckeinwirkung (z.B. durch langes Liegen auf einer Stelle) und der damit verbundene Minderdurchblutung stirbt das betroffene Gewebe oft schon nach zwei Stunden ab. Gefährdet sind: hochbetagte und immobile Patienten, Diabetiker, Gelähmte oder Depressive. Ursache für die Entstehung eines Druckgeschwürs ist grundsätzlich immer das Zusammenwirken von lokalem und kontinuierlichem Druck auf Hautstellen, die nur durch dünnes Unterhautfettgewebe gepolstert sind. Zudem spielen Risikofaktoren wie Bewegungseinschränkungen, Störungen in der Wahrnehmung, ein reduzierter Allgemeinzustand (Fieber, Ernährungsmängel), Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes), Hauterkrankungen (Ekzeme, Verletzungen) und Störungen in der Ausscheidung (Stuhl und Urin) eine wesentliche Rolle. Je mehr Risikofaktoren zusammenkommen, desto größer ist das Risiko der Entstehung eines Dekubitus.

 

Erkennbar ist ein Dekubitus durch Hautrötung und Gewebedefekte. Dabei erfolgt entsprechend der Schwere der Gewebeschädigung folgende Gradeinteilung:

 

Grad 1:
Umschriebene Hautrötung, ohne Hautdefekt, die nach Druckentlastung bleibt.


Grad 2:
Oberflächlicher Hautdefekt, evtl. Blasenbildung, Ödeme


Grad 3:
Gewebezerfall (Nekrose), Tiefenschädigung des Gewebes mit Muskel- Sehnen- und Bänderbeteiligung.


Grad 4:
Geschwürbildung infolge Nekrosebildung bis in die Tiefe; Knochenhaut und Knochenmasse werden geschädigt. 

Durch eine gezielte Dekubitusprophylaxe (Vorsorge) werden Risikofaktoren minimiert, die intakte Haut erhalten und Druckeinwirkung vermieden. Die im folgendem beschriebenen pflegerischen Maßnahmen können zur Minimierung des Dekubitusrisikos beitragen, wenn sie fachgerecht und kontinuierlich ihre Anwendung finden.

 

Erkennen der Gefährdung:

  • Durch regelmäßige Hautinspektion - Einschätzung mit Hilfe einer Risikoskala
  • Druckentlastung durch Lagerung
  • Weichlagerung, Hohllagerung mit entsprechenden Hilfsmitteln (Federkissen, Gelkissen, Lagerungskissen, Wechseldruckmatratzen)
  • Umlagerung nach Plan in individuellen Zeitintervallen
  • Polsterung der gefährdeten Körperstellen mit Hilfsmitteln
  • Lagerungsarten Durchblutungsförderung
  • Mobilisation des Patienten
  • Hauteinreibung mit rückfettenden Substanzen (kein Franzbranntwein, dieser trocknet die Haut aus)
  • Hautpflege
  • Waschen mit hautschonenden / pH neutralen Pflegemitteln
  • Nach dem Waschen sorgfältiges Abtrocknen
  • Einreibung mit hautschützenden Salben (kein Melkfett)
  • Anpassung der Inkontinenzmaterialien an die individuelle Ausscheidungssituation Ernährung
  • Anpassung der Ernährung bei Übergewicht oder einem zu geringem Körpergewicht
  • Eiweiß- und vitaminreiche Nahrung verbessert den Hautzustand. An dieser Stelle empfehle ich das Hinzuziehen von Pflegefachkräften und Inanspruchnahme professioneller Pflegeberatung.

Mehr zu Christine Wolf hier.

Fragen an unser Redaktionsmitglied Christine Wolf über die
Redaktion an: [email protected]

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