Ein neuer Blick auf Gesundheit & Wohlbefinden GESUNDHEIT & WOHLBEFINDEN
gesundheitRHEIN–NAHESuche ↗
MenüErnährungBewegungÜberregionale GesundheitsnachrichtenNewsletterUnsere Gesundheits-ExpertenKreis Bad KreuznachKreis Mainz-BingenKreis Aley-WormsRhein-Hunsrück KreisSelbsthilfegruppenWerbungUncategorizedArchivNachrichten aus der MedizinAdvertorialNaturheilkundePflegePsychologieEntspannungKörper & PsycheCoronaKur & ErholungKrebs-BlogDiät & ErnährungApotheken & MedizinPflege & VersorgungGesundheit & PolitikAlternative HeilmethodenStellenangeboteWellness & BeautyWellness & EntspannungSuche
Pflege & Versorgung

Leitfaden für pflegende Angehörige: Sturzprophylaxe

Redaktion Gesundheit Rhein-Nahe · · 6 Min. Lesezeit
Leitfaden für pflegende Angehörige: Sturzprophylaxe
Christine Wolf
Christine Wolf

Stürze, vor allem im Alter, stellen ein großes Problem dar. Jeder dritte Mensch ab 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte. Mit zunehmendem Alter nehmen einige körperliche und geistige Leistungen ab, so zum Beispiel die Muskelkraft, das Seh- und Hörvermögen, das Reaktionsvermögen und die Koordination. Dadurch fällt es älteren Menschen schwerer, in bestimmten Situationen schnell und angemessen zu reagieren. Zudem können Krankheiten das Sturzrisiko erhöhen.

Etwa fünf Prozent aller Stürze haben einen Knochenbruch zur Folge, ein bis zwei Prozent sind Oberschenkelhalsbrüche. Frauen im Alter von über 60 Jahren sind von Brüchen deutlich öfter betroffen als Männer, was auf die bei Frauen häufiger auftretende Osteoporose zurückzuführen ist. Die Gründe für einen Sturz sind vielfältig und können einerseits durch Alterserscheinungen des Körpers,

andererseits durch externe Faktoren, beispielsweise ungenügende Beleuchtung im Raum, bedingt sein.

Für einen Großteil der gestürzten Personen ist der Sturz mit Verletzungen und langwierigen Krankenhausaufenthalten verbunden. In manchen Fällen führen diese Sturzfolgen zur Invalidität oder Pflegebedürftigkeit. Beobachtungen von Stürzen bei älteren Menschen zeigen, dass es Risikofaktoren gibt, die in der Person und deren Lebensumfeld liegen.

Stürze können auch psychische und soziale Folgen haben. Jeder fünfte Sturzpatient trägt so schwerwiegende Folgen davon, dass ein Umzug in ein Pflegeheim unvermeidlich wird.

 

Wer einmal gestürzt ist, kann leicht das Selbstvertrauen verlieren und bewegt sich möglicherweise weniger und unsicherer als vor dem Sturz. Viele Patienten reduzieren ihre Aktivitäten, weil sie nach einem Sturz Angst vor einem erneuten Sturz entwickeln.

Im Folgenden werden einige Personen gebundene und Umfeld bezogene Risikofaktoren genannt, die für ein erhöhtes individuelles Risiko sprechen. Personen gebundene Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • altersbedingter Fitnessmangel
  • Balance- und Gangstörungen (z.B. schlurfender Gang, kleine Schritte)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Rheuma, Osteoporose, Parkinson)
  • Inkontinenz (Betroffene sind unruhig, Stürze auf dem Weg zur Toilette)
  • Einschränkung des Seh- und Hörvermögens (z.B. reduzierte Sehschärfe)
  • Erkrankungen, die zur kurzzeitigen Ohnmacht führen (z.B. Epilepsie, Diabetes)
  • Verwirrtheitszustände, die u.a. bei Demenz auftreten können und dazu führen, dass der Betroffene nicht auf seinen Weg achtet
  • Schwindel, u.a. hervorgerufen durch zu niedrigen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen aber auch durch Flüssigkeitsmangel
  • Einschränkung der Mobilität, Gangunsicherheit, Verzögerung des Balancereflexes (Stolpern kann nicht mehr aufgefangen werden)
  • Medikamente, wie z.B. Schlaf- oder Beruhigungsmittel, Diuretika, Antidepressiva, Psychopharmaka, Abführmittel
  • Falsches Schuhwerk
  • frühere Stürze (Angst vor weiteren Stürzen führt zu geringerer Mobilität und Muskelabbau)

 

Umfeld bezogene Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • Stolperfallen (herumliegende Kabel, Teppichkanten, Türschwellen)
  • unzureichende Beleuchtung (zu wenig oder blendendes Licht)
  • Wohnumfeld/ Hilfsmittel (enge Räume, wenig Sitzgelegenheiten zum Ausruhen
  • mangelnde Hilfsmittelanpassung, ungeeignetes Schuhwerk, steile Treppen)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (führt z.B. zu mangelnder Konzentrationsfähigkeit).

Stürze ereignen sich meist aus einer Kette mehrerer Risikofaktoren, können aber oft schon mit der Beseitigung eines Faktors vermieden werden. Maßnahmen zur Sturzrisikominimierung im Wohnumfeld sind oft mit geringem Aufwand umzusetzen. Die Wohnraumanpassung und der sachgerechte Einsatz von Hilfsmitteln sind nur einige davon.

 

Maßnahmen der Wohnraumanpassung sind zum Beispiel:

  • ebenerdiger Zugang zur Wohnung
  • Schaffung von Orientierungshilfen Abbau von Türschwellen
  • Beseitigung von Rutsch- und Stolpergefahren durch Bodenbeläge
  • Absenkung von Fenstergriffen
  • Verlängerung von Armaturen
  • Veränderung der Höhe von Arbeitsplatten
  • Badewanneneinstiegshilfen
  • Anpassung der Sitzhöhe des WCs

Einsatz von Hilfsmitteln sind zum Beispiel:

  • Mobilitätshilfen: Rollator, Gehbock, Unterarmgehstützen, Schuh-Spikes, Hüftschutzhosen, Stopper-Socken
  • Hilfsmittel im Bad & WC: Toilettensitzerhöhung, Halteschienen, Toilettenstuhl, Badewannensitz, Badewannenlifter, Einstiegshilfen, Duschstuhl, Gleitschutzeinlage
  • Hilfsmittel, die die Verrichtungen des täglichen Lebens erleichtern: Anti-Gleithilfe, Signal-Ruf, Schuhanzieher, Strumpfanzieher, Greifhilfe, mobile Haltegriffe etc.

Förderung der Mobilität:

Um personengebundene Sturzrisikofaktoren abzuwenden sind regelmäßige kräftigende Übungen hilfreich (z.B. Theraband, Thea-Stabilität-Trainer). Diese fördern die Mobilität, das Gleichgewicht und die Koordination.

 

Personengebundene Sturzrisiko-Einschätzung:

  • Ist die zu pflegende Person 65 Jahre und älter?
  • Bereitet es ihr Probleme, 15-20 Sekunden auf einem Bein zu stehen?
  • Leidet sie an Erkrankungen, die die Funktion des Bewegungsapparates beeinträchtigen, wie Parkinson, Osteoporose, Rheuma?
  • Leidet sie unter Inkontinenz auch Tröpfcheninkontinenz?
  • Ist die Seh- oder Hörfähigkeit eingeschränkt?
  • Bekommt die Person regelmäßig Medikamente oder trinkt Alkohol?
  • Ist die Person die letzten 6 Monate schon mal gestützt?
  • Treten gelegentlich Konzentrationsschwächen auf?

Umfeldbezogene Sturzrisiko- Einschätzung:


Checkliste Wohnraum:

  • Haben die Treppen beidseitig griffsichere Handläufe?
  • Sind die Stufen gut erkennbar/ trittsicher/ rutschfest?
  • Sind die Bodenbeläge auch bei Nässe trittsicher, rutschfest, frei von hoch stehenden Kanten?
  • Ist der Boden frei von Kabeln und anderen Stolpergefahren?
  • Sind die Laufwege mit/ ohne Gehilfen gut passierbar?
  • Stehen alle Möbel fest und sicher?
  • Gibt es in allen Räumen Möglichkeiten zum Ausruhen?
  • Ermöglicht die Betthöhe ein gefahrloses Ein- und Aussteigen?
  • Ist die Treppenhausbeleuchtung automatisch geschaltet?
  • Gibt es gut erreichbare Lichtschalter am Bett und Türen?
  • Ist das Telefon leicht zu bedienen und erreichbar?
  • Hat das Telefon Speichermöglichkeiten für Notrufnummern?
  • Sind Fenster und Türen leicht und ruckfrei zu öffnen?
  • Hat eine Vertrauensperson einen Notfallschlüssel?
  • Sind Badematten, WC-Vorlagen etc. ausreichend fixiert?
  • Ist der Waschtisch stabil genug um sich festzuhalten?
  • Ist der Wasserhahn gut erreichbar und einstellbar?
  • Gibt es Sitzgelegenheiten am Waschtisch?
  • Sind Haltegriffe zum Ein- und Ausstieg in Badewanne und Dusche vorhanden?
  • Gibt es eine Sitzgelegenheit in der Dusche und Wanne?
  • Gibt es rutschfeste Unterlagen in der Dusche und Wanne?
  • Ist der Ein- und Ausstieg problemlos möglich?
  • Ist das Hinsetzen und Aufstehen auf der Toilette mühelos möglich?
  • Ist die Sitzhöhe individuell angepasst?
  • Gibt es Haltegriffe zum Hinsetzen und Aufstehen?

Ansprechpartner:
Pflegedienste bieten Ihnen Hilfestellung und Beratung bei der Auswahl der erforderlichen Maßnahmen an, um Ihr Sturzrisiko zu minimieren. Sie unterstützen bei der Beantragung von Hilfsmitteln oder bei der Einleitung von Wohnraumanpassungsmaßnahmen. Auch Sanitätshäuser/Hilfsmittelanbieter und die Pflegestützpunkte in Ihrem Umfeld sind kompetente Ansprechpartner. 

Mehr zu Christine Wolf hier.

Fragen an unser Redaktionsmitglied Christine Wolf über die
Redaktion an: [email protected]

Weiter entdecken

Kostenlose Online-Seminare für Angehörige und Pflegende Mit Demenz umgehen – Grundlagen, Kommunikation, Hören, Selbstfürsorge
Pflege & Versorgung

Kostenlose Online-Seminare für Angehörige und Pflegende Mit Demenz umgehen – Grundlagen, Kommunikation, Hören, Selbstfürsorge

In den von der Veronika-Stiftung geförderten Online-Seminaren werden wichtige Grundlagenthemen umfassend und leicht verständlich von Expertinnen und Experten für Angehörige von Menschen mit Demenz oder professionell Pflegende aufgearbeitet. Die Referenten führen 60 Minuten durch ihren jeweiligen Themenbereich und stellen Videosequenzen vor, die realistischen Alltagssituationen nachempfunden sind, um so anhand authentischer Beispiele mögliche Lösungsstrategien zu erläutern und hilfreiche Anregungen zu geben. Alle Referenten stehen nach ihrem Vortrag noch für Fragen bereit. Die Termine: 22. Juli 2021, 15:30 Uhr Hören, Schwerhörigkeit und Demenz: Hören bestimmt die Teilhabefähigkeit von Menschen mit Demenz. Ist die Hörfähigkeit eingeschränkt, dann wird der Mensch aus Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen ausgeschlossen. Doch man kann das Hören auch therapeutisch anwenden und z. B. über das Hören bekannter Musikstücke den Menschen mit Demenz ein Stückweit aktivieren. Prof. Dr. Andreas

17.06.2021 Artikel ansehen ↗
Pflegestammtisch online: Angebot für pflegende Angehörige durch die Stadtteilkoordination BME
Pflege & Versorgung

Pflegestammtisch online: Angebot für pflegende Angehörige durch die Stadtteilkoordination BME

Pflegen Sie Angehörige und möchten sich gerne austauschen? Sind Sie nicht selbst schon Expertin in der Versorgung für andere Menschen und haben viele wertvolle Erfahrungen sammeln können, die für andere interessant oder stärkend sein können? Ein digitales Informations- und Begegnungsangebot in Form eines Pflegestammtisches für den Stadtteil Bad Münster am Stein-Ebernburg und Umgebung findet am Mittwoch, 12. Mai, von 14 bis 15 Uhr im Online-Begegnungsraum der Begegnungsstätte Vielfalt statt. Geplant sind weitere Termine, in denen einmal im Monat in Kooperation mit dem Pflegestützpunkt Bad Kreuznach gemeinsame Treffen, ein intensiver Austausch und interessante Fachgespräche stattfinden können. Wer Interesse an dem Angebot oder weitere Fragen hat, kann sich gerne bei Stadtteilkoordinatorin Bad Münster am Stein-Ebernburg, Marlene Jänsch, Tel.: (06708) 6693300, mobil( 0151), 54122926, E-mail: [email protected] bis zum 11. Mai melden. Für die digitale Teilnahme über den

28.04.2021 Artikel ansehen ↗