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Christine Wolf: Leitfaden für pflegende Angehörige – Sturzprophylaxe

Joachim Kübler · 6 Min. Lesezeit

Stürze, vor allem im Alter, stellen ein großes Problem dar. Jeder dritte Mensch ab 65 Jahre stürzt mindestens einmal pro Jahr. Bei den über 80-Jährigen sind es sogar mehr als die Hälfte. Mit zunehmendem Alter nehmen einige körperliche und geistige Leistungen ab, so zum Beispiel die Muskelkraft, das Seh- und Hörvermögen, das Reaktionsvermögen und die Koordination. Dadurch fällt es älteren Menschen schwerer, in bestimmten Situationen schnell und angemessen zu reagieren. Zudem können Krankheiten das Sturzrisiko erhöhen.

Etwa fünf Prozent aller Stürze haben einen Knochenbruch zur Folge, ein bis zwei Prozent sind Oberschenkelhalsbrüche. Frauen im Alter von über 60 Jahren sind von Brüchen deutlich öfter betroffen als Männer, was auf die bei Frauen häufiger auftretende Osteoporose zurückzuführen ist. Die Gründe für einen Sturz sind vielfältig und können einerseits durch Alterserscheinungen des Körpers,

andererseits durch externe Faktoren, beispielsweise ungenügende Beleuchtung im Raum, bedingt sein.

Für einen Großteil der gestürzten Personen ist der Sturz mit Verletzungen und langwierigen Krankenhausaufenthalten verbunden. In manchen Fällen führen diese Sturzfolgen zur Invalidität oder Pflegebedürftigkeit. Beobachtungen von Stürzen bei älteren Menschen zeigen, dass es Risikofaktoren gibt, die in der Person und deren Lebensumfeld liegen.

Stürze können auch psychische und soziale Folgen haben. Jeder fünfte Sturzpatient trägt so schwerwiegende Folgen davon, dass ein Umzug in ein Pflegeheim unvermeidlich wird.

Wer einmal gestürzt ist, kann leicht das Selbstvertrauen verlieren und bewegt sich möglicherweise weniger und unsicherer als vor dem Sturz. Viele Patienten reduzieren ihre Aktivitäten, weil sie nach einem Sturz Angst vor einem erneuten Sturz entwickeln.

Im Folgenden werden einige Personen gebundene und Umfeld bezogene Risikofaktoren genannt, die für ein erhöhtes individuelles Risiko sprechen. Personen gebundene Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • altersbedingter Fitnessmangel
  • Balance- und Gangstörungen (z.B. schlurfender Gang, kleine Schritte)
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (Rheuma, Osteoporose, Parkinson)
  • Inkontinenz (Betroffene sind unruhig, Stürze auf dem Weg zur Toilette)
  • Einschränkung des Seh- und Hörvermögens (z.B. reduzierte Sehschärfe)
  • Erkrankungen, die zur kurzzeitigen Ohnmacht führen (z.B. Epilepsie, Diabetes)
  • Verwirrtheitszustände, die u.a. bei Demenz auftreten können und dazu führen, dass der Betroffene nicht auf seinen Weg achtet
  • Schwindel, u.a. hervorgerufen durch zu niedrigen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen aber auch durch Flüssigkeitsmangel
  • Einschränkung der Mobilität, Gangunsicherheit, Verzögerung des Balancereflexes (Stolpern kann nicht mehr aufgefangen werden)
  • Medikamente, wie z.B. Schlaf- oder Beruhigungsmittel, Diuretika, Antidepressiva, Psychopharmaka, Abführmittel
  • Falsches Schuhwerk
  • frühere Stürze (Angst vor weiteren Stürzen führt zu geringerer Mobilität und Muskelabbau)

Umfeld bezogene Risikofaktoren sind zum Beispiel:

  • Stolperfallen (herumliegende Kabel, Teppichkanten, Türschwellen)
  • unzureichende Beleuchtung (zu wenig oder blendendes Licht)
  • Wohnumfeld/ Hilfsmittel (enge Räume, wenig Sitzgelegenheiten zum Ausruhen
  • mangelnde Hilfsmittelanpassung, ungeeignetes Schuhwerk, steile Treppen)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (führt z.B. zu mangelnder Konzentrationsfähigkeit).

Stürze ereignen sich meist aus einer Kette mehrerer Risikofaktoren, können aber oft schon mit der Beseitigung eines Faktors vermieden werden. Maßnahmen zur Sturzrisikominimierung im Wohnumfeld sind oft mit geringem Aufwand umzusetzen. Die Wohnraumanpassung und der sachgerechte Einsatz von Hilfsmitteln sind nur einige davon.

Maßnahmen der Wohnraumanpassung sind zum Beispiel:

  • ebenerdiger Zugang zur Wohnung
  • Schaffung von Orientierungshilfen Abbau von Türschwellen
  • Beseitigung von Rutsch- und Stolpergefahren durch Bodenbeläge
  • Absenkung von Fenstergriffen
  • Verlängerung von Armaturen
  • Veränderung der Höhe von Arbeitsplatten
  • Badewanneneinstiegshilfen
  • Anpassung der Sitzhöhe des WCs

Einsatz von Hilfsmitteln sind zum Beispiel:

  • Mobilitätshilfen: Rollator, Gehbock, Unterarmgehstützen, Schuh-Spikes, Hüftschutzhosen, Stopper-Socken
  • Hilfsmittel im Bad & WC: Toilettensitzerhöhung, Halteschienen, Toilettenstuhl, Badewannensitz, Badewannenlifter, Einstiegshilfen, Duschstuhl, Gleitschutzeinlage
  • Hilfsmittel, die die Verrichtungen des täglichen Lebens erleichtern: Anti-Gleithilfe, Signal-Ruf, Schuhanzieher, Strumpfanzieher, Greifhilfe, mobile Haltegriffe etc.

Förderung der Mobilität:

Um personengebundene Sturzrisikofaktoren abzuwenden sind regelmäßige kräftigende Übungen hilfreich (z.B. Theraband, Thea-Stabilität-Trainer). Diese fördern die Mobilität, das Gleichgewicht und die Koordination.

Personengebundene Sturzrisiko-Einschätzung:

  • Ist die zu pflegende Person 65 Jahre und älter?
  • Bereitet es ihr Probleme, 15-20 Sekunden auf einem Bein zu stehen?
  • Leidet sie an Erkrankungen, die die Funktion des Bewegungsapparates beeinträchtigen, wie Parkinson, Osteoporose, Rheuma?
  • Leidet sie unter Inkontinenz auch Tröpfcheninkontinenz?
  • Ist die Seh- oder Hörfähigkeit eingeschränkt?
  • Bekommt die Person regelmäßig Medikamente oder trinkt Alkohol?
  • Ist die Person die letzten 6 Monate schon mal gestützt?
  • Treten gelegentlich Konzentrationsschwächen auf?

Umfeldbezogene Sturzrisiko- Einschätzung:

Checkliste Wohnraum:

  • Haben die Treppen beidseitig griffsichere Handläufe?
  • Sind die Stufen gut erkennbar/ trittsicher/ rutschfest?
  • Sind die Bodenbeläge auch bei Nässe trittsicher, rutschfest, frei von hoch stehenden Kanten?
  • Ist der Boden frei von Kabeln und anderen Stolpergefahren?
  • Sind die Laufwege mit/ ohne Gehilfen gut passierbar?
  • Stehen alle Möbel fest und sicher?
  • Gibt es in allen Räumen Möglichkeiten zum Ausruhen?
  • Ermöglicht die Betthöhe ein gefahrloses Ein- und Aussteigen?
  • Ist die Treppenhausbeleuchtung automatisch geschaltet?
  • Gibt es gut erreichbare Lichtschalter am Bett und Türen?
  • Ist das Telefon leicht zu bedienen und erreichbar?
  • Hat das Telefon Speichermöglichkeiten für Notrufnummern?
  • Sind Fenster und Türen leicht und ruckfrei zu öffnen?
  • Hat eine Vertrauensperson einen Notfallschlüssel?
  • Sind Badematten, WC-Vorlagen etc. ausreichend fixiert?
  • Ist der Waschtisch stabil genug um sich festzuhalten?
  • Ist der Wasserhahn gut erreichbar und einstellbar?
  • Gibt es Sitzgelegenheiten am Waschtisch?
  • Sind Haltegriffe zum Ein- und Ausstieg in Badewanne und Dusche vorhanden?
  • Gibt es eine Sitzgelegenheit in der Dusche und Wanne?
  • Gibt es rutschfeste Unterlagen in der Dusche und Wanne?
  • Ist der Ein- und Ausstieg problemlos möglich?
  • Ist das Hinsetzen und Aufstehen auf der Toilette mühelos möglich?
  • Ist die Sitzhöhe individuell angepasst?
  • Gibt es Haltegriffe zum Hinsetzen und Aufstehen?

Ansprechpartner:
Pflegedienste bieten Ihnen Hilfestellung und Beratung bei der Auswahl der erforderlichen Maßnahmen an, um Ihr Sturzrisiko zu minimieren. Sie unterstützen bei der Beantragung von Hilfsmitteln oder bei der Einleitung von Wohnraumanpassungsmaßnahmen. Auch Sanitätshäuser/Hilfsmittelanbieter und die Pflegestützpunkte in Ihrem Umfeld sind kompetente Ansprechpartner.

Mehr zu Christine Wolf hier.

Fragen an unser Redaktionsmitglied Christine Wolf über die
Redaktion an: [email protected]

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