Wie läuft eine osteopathische Behandlung ab? 

Dies wird im Folgenden anhand eines Fallbeispiels erläutert: 

Osteopathische Untersuchungen/Behandlungen sind ganzheitlich und beziehen somit immer die Komplexität des menschlichen Körpers mit ein. Dabei geht es vor allem darum, die Gesundheit soweit zu unterstützen, dass der Körper wieder in der Lage ist, sich selbstständig zu regenerieren.

„Ich glaube, dass die menschliche Maschine die Apotheke Gottes ist und alle Heilungen der Natur in ihrem Körper zu finden sind. Nicht den Kranken zu heilen ist die Pflicht des Maschinisten, sondern ein Teil des ganzen Systems so anzupassen, dass die Lebensflüsse wieder fließen und die ausgetrockneten Felder bewässern können“

Zitat: Andrew Taylor Still, Begründer der Osteopathie 06.08.1828-12.12.1917

Fallbeispiel:
männlicher Patient: Alter: 35 J., Gewicht: 72 kg, Größe: 175 cm

In der Anamnese erzählt er von andauernden Schmerzen in der Lendenwirbelsäule (LWS). 2017 hatte er eine Bandscheibenoperation an besagter Stelle. Nach 5 Monaten musste er sich wegen anhaltender Beschwerden erneut operieren lassen. Seitdem bestehen die akuten Schmerzen dennoch weiter.

Untersuchung:
Die Untersuchung erfolgte im Stehen, Sitzen und Liegen. Dabei zeigte sich stehend ein Beckenschiefstand mit einer Erhöhung des Beckens (r.) um ca. 1,5 cm sowie Bewegungsverluste am 5., 4. und 2. Lendenwirbel. Im Liegen wurde nach sanftem Abtasten des Bauches eine Auffälligkeit im Bereich des Enddarms festgestellt. Hierbei handelt es sich um eine „Verklebung“ der sogenannten Faszien (die Weichteilkomponente des Bindegewebes, die den gesamten Körper als ein umhüllendes und verbindendes Netzwerk durch-dringt).

1. Behandlung im Anschluss an die Untersuchung:
Zuerst wurde die Stelle mit dem größten Bewegungsverlust behandelt, d. h. entsprechende Blockaden/Dysfunktionen werden durch leichten Druck manuell so beeinflusst, dass sie sich lösen können. In diesem Fall im Unterbauch. Bei der anschließenden Kontrolle war der Beckenschiefstand komplett verschwunden, wodurch sich die Wirbelsäule gerade ausrichten konnte. Danach wurden die Blockaden in der LWS gelöst.

2. Behandlung -14 Tage später (häufig liegen Termine zwischen 2 bis 8 Wochen auseinander):
Obwohl der Beckenschiefstand noch immer korrigiert war und die Blockaden sich verbessert hatten, waren die Schmerzen nur leicht besser geworden. Die erneute Untersuchung zeigte eine Spannung der Dura mater (harte Hirnhaut; diese besteht aus Bindegewebe und geht im Wirbelkanal in die Rückenmarkhaut über, wo sie sich bis zum Kreuzbein ausdehnt). Auf Nachfragen hin, erinnerte sich der Patient an ein starkes Schleudertrauma im Alter von 9 J. Dieses Trauma konnte direkt am Schädel und der oberen Halswirbelsäule gelöst werden. Außerdem erwähnte der Patient noch einen Unterschenkelbruch (r.) nach einem Radsturz im Alter von 16 J. Hierbei konnte aber keine entsprechende Auswirkung auf den derzeitigen Befund festgestellt werden.

3. Behandlung – 3 Wochen später:
Die Schmerzen sind fast vollständig verschwunden. Lediglich die Dura mater wurde nochmals nachbehandelt.

Eindrucksvoll an dieser Geschichte ist, dass zur Lösung des Problems sowohl knöchern (parietal), organisch (viszeral) und neurologisch (craniosacral) gearbeitet werden musste. Außerdem war interessant zu sehen, dass ein früh erworbenes Trauma hier noch eine große Rolle spielte.

Das o. g. Beispiel ist nur eines von vielen, was uns immer wieder zeigt, dass es in der Therapie wichtig ist, umfangreiche Prozesse, die im menschlichen Körper stattfinden zu erkennen, die Zusammenhänge unterschiedlicher Traumata zu verstehen und dementsprechend unterstützend auf die Gesundheit einzuwirken. Dafür ist u. a. die Osteopathie eine geeignete Methode und eine zielführende Zusammenarbeit mit unterschiedlichen medizinischen diagnostischen und therapeutischen Mitteln ist zur individuellen Behandlung und zum Wohl des Patienten erstrebenswert.

Christof Emmes
Osteopath/Heilpraktiker)

Fragen an Christof Emmes über die
Redaktion an: info@gesundheit-rhein-nahe.de

Mit Freunden teilen